Der Feierabendyogi

Ashtanga Yoga für den Feierabend

29. Dezember 2015
von Stephan
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Loslassen - Adios 2015

Treue Leser des Feierabendyogi-Blogs wussten es schon lange – das Jahr 2015 war kein sonderlich produktives auf dieser Seite. Lediglich eine Handvoll Einträge, kaum der Rede wert. Aber hinter den Kulissen, im echten Leben, war 2015 ein ereignisreiches Jahr, in welchem ich auf viele Dinge und Erfahrungen gerne verzichtet hätte.

Yoga lehrt uns, loszulassen. Die eigene Ohnmacht anzunehmen und nicht gegen das Universum, sondern mit ihm zu leben. 2015 war für mich persönlich ein Jahr des exzessiven Loslassens. Nichts ist mehr so, wie es zu Beginn des Jahres war, weder äußerlich noch innerlich. Ich habe meine Selbstständigkeit aufgegeben, um in einem wunderbaren und hochmotivierten Team zu arbeiten. Habe ein Buch geschrieben und kann mich jetzt an kaum etwas darin erinnern. Habe Sport getrieben und wurde durch Knochenbrüche und Verrenkungen zu mehr Demut erzogen. Meine Ehe ging zu Ende und sämtliche Prinzipien und Werte habe ich in Frage gestellt. Schließlich bin ich in eine kleinere Wohnung gezogen und habe zahlreiche Dinge hinter mir gelassen. Immerhin gibt es sogar Platz für meine Yogamatte (die Schwarze, welche ich nicht weggeben habe).

Auf der Matte habe ich vielleicht so oft Yoga geübt, wie ich Einträge in diesem Jahr verfasst habe. Vielleicht fehlt mir daher die Flexibilität – physisch wie psychisch – auch wirklich loszulassen. Ich merke, wie ich immer noch im gestern lebe und mich nicht komplett im Hier und Jetzt befinde. Als Jahresrückblick ist das ganz willkommen, aber eigentlich würde ich das Vergangene lieber hinter mir lassen…

Vielleicht versuche ich es mal mit Marias Silvesterritual, um meinen Weg wieder ein wenig in die “richtige” Richtung zu lenken. 2016 steht vor der Tür – es liegt an uns, in dem neuen Jahr glücklich zu werden und anderen Menschen Gutes zu tun, oder eben nicht.

Ich sehe euch auf der anderen Seite!

Meditating under palm trees. #magiclife #marmaripalace

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30. April 2015
von Stephan
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Na, du fette Sau!

Entschuldigt bitte den Titel, das ist heute mal etwas drastisch. Naja, eigentlich ist es nicht zu entschuldigen, hätte ich ja beim Schreiben der ersten Zeile sofort ändern können, wenn ich mich dafür schämen würde. Tu ich aber nicht. Es gibt die Dinge, für die muss man sich eben nicht schämen.

Mein BMI zittert täglich knapp über und – an besonders aktiven Tagen – knapp unter der Grenze zum Übergewicht. Sicher hätte ich gerne dieses Verhältnis von Muskeln zu Körper, womit sonst nur Models glänzen. Hab ich aber nicht. Und du vermutlich auch nicht. Das ist die schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht ist, dass es eben keine normalen Körper gibt. Der Normbereich für Mann und Frau ist viel weiter, als es Medien und Werbung uns glauben machen wollen. Es gibt gesunde und ungesunde Körper, gar keine Frage, aber auch mit ein paar Kilo zu viel (oder zu wenig!) auf den Hüften ist man ein wertvoller Mensch. Wohlfühlen ist wichtiger als wohl aussehen [sic!].

Dummerweise steht der Sommer vor der Tür und die sonst als eher kreativ verschrienen Werbestrategen besinnen sich auf das gute alte Body Shaming. Die Botschaft ist simpel und kommt beim Creative Director immer gut an: Du bist zu fett für den Strand, also mach gefälligst etwas dagegen. Zufällig haben wir da das Wundermittel für dich:

Iß unser Protein-Pulver statt Brot oder melde dich in diesem Fitness-Studio an. Ohne uns fällt der Strand für dich in diesem Jahr leider aus. Und gehst du doch hin, dann solltest du dich gefälligst schämen!

In der Londoner U-Bahn schlägt eine Werbung für Proteinpulver gerade hohe Wellen. Mit dem Slogan “Are you beach body ready?” stellen die Strategen die Frage, ob die Waage der Damenwelt bereits die Erlaubnis für den Strand erteilt hat. Wie lachhaft. Wenn mir danach ist, dann gehe ich dahin und bade. Es gibt keine “Strandbefähigungsfigur” oder dergleichen.
Die Londoner_Innen schlagen auch fleissig zurück, es gibt sogar eine Petition, die Werbung zu entfernen. Viele der Anzeigen sind inzwischen auch um die wohlverdienten Antworten ergänzt.

Was hat das jetzt mit Yoga zu tun? Leider ist sogar die Yogaszene nicht verschont von der Message, dass unser Körper zu häßlich sei, um ihn in Badehose oder Bikini zu zeigen. Erstmal muss fleissig der Körper in Form gebracht werden, bevor man ihn aus dem dunklen Kämmerlein an den Sonnenstrang tragen darf.
(Interessanterweise finde ich fast nur Beispiele, dass Frauen “zu fett” sind, Männer haben da vergleichsweise wenig Hinweise, dass sie sich am Strand nur bekleidet zeigen sollen, wenn sie nicht wie ein Men’s Health Cover-Model aussehen.)
Heute flatterte mir ein subtiler Hinweis auf die Problematik Körpermasse und Strandgenehmigung in die Mailbox, wobei die Lösung natürlich darin besteht, 14 Tage etwas Yoga und ein paar pfiffige Rezepte anzuwenden – et voilá – der Bikini darf wieder getragen werden:

Die Bikini-Challenge 2015

Wo mich die Werbung in der U-Bahn noch wirklich wütend gemacht hat, wie nach Thigh Gap und Bikini Bridge ein weiter Body Shaming Trend sich aufspielt, Standards setzen zu dürfen, da macht mich die Werbung für Yoga nur noch traurig.

Obwohl ich immer noch nicht genau weiss, was Yoga eigentlich ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass solch eine Form des Selbsthasses mit Santosha in Einklang zu bringen ist. Im Grunde genommen möchte ich Yoga gerne als etwas verstehen, was mich zufriedener und ausgeglichener macht. Nicht etwa, weil es mir alle meine Wünsche erfüllt, das Fett absaugt und so meine persönliche Homöostase wiederherstellt, sondern gerade weil es mich lehrt, meine Grenzen und Unzulänglichkeiten zu akzeptieren.

An dieser Stelle möchte ich etwas zurückrudern. Natürlich bist du keine fette Sau. Ebensowenig wie ich. Lass es dir nicht einreden, auch wenn die Botschaft in versteckter Form bis zum Beginn der Schlabberpulli-Saison jetzt täglich mehrfach auf die einprasselt.

In Anlehnung an die Bastel Brothers
Klamotten aus, Bikini anziehen, Zack-feddich: Bikinifigur!

8. April 2015
von Stephan
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Der schreibfaule Yogi ist schon wieder ein Liebster

Die liebe Astrid von OmMyGod hat mich für einen Liebster-Award nominiert. Das wäre somit schon mein zweiter, obwohl ich lediglich in homöopathischen Dosen noch schreibe.

Frag den Feierabendyogi

Wer oder was inspiriert dich? Gute Musik. Von Klassik bis Death Metal, solange sie dieses gewisse Etwas hat, kompositorische Eleganz und die Fähigkeit, bei jedem Hören neue Facetten zu offenbaren.

Welches Buch liest du zur Zeit? Immer wieder zwischendurch lese ich in What if? (von Randall Munroe), wissenschaftliche Antworten auf abstruse Fragen wie: indem man ein Steak aus dem Weltall herunterwirft, könnte es beim Eintritt in die Erdatmosphäre Steak gebraten werden?

Wohin möchtest du als nächstes verreisen? Kopenhagen wäre in den nächsten Wochen ziemlich cool, aber erstmal steht Ende April Brügge an.

Lieber ins Kino oder zuhause auf der Couch einen Film gucken? Hab ich einen Babysitter? Dann auf jeden Fall Kino!

Wenn Geld keine Rolle spielte: welche 3 Wünsche würdest du sofort umsetzen? Einmal die Woche beim Inder essen, … mehr fällt mir absolut nicht ein. Vielleicht sind meine Wünsche aktuell nicht mit Geld umzusetzen. Oder ich ruhe insgesamt ausreichend in mir. Womöglich habe ich aber auch einfach nicht die Frage verstanden :)

Woraus ziehst du am meisten Energie? Ganz klar: Grüner Tee (Gunpowder).

Was war für dich ein besonderes Aha-Erlebnis? Dass ich als Selbstständiger wunderbar leben kann, auch ohne jeden Tag von früh bis spät durchzuarbeiten.

Wie wichtig sind dir Klicks, Visitors, Follower etc.? Solange mein Twitter-Account mehr Follower hatte als Manuels war die Welt noch in Ordnung, jetzt sind mir Follower wichtig :)
Ansonsten mache ich mir recht wenig daraus wie viel oder wenig meine Äußerungen im Netz andere interessieren. Ich freue mich aber kolossal, wenn eines meiner Projekte auf GitHub viele Sternchen bekommt.

Wenn du zwei Leben gleichzeitig leben könntest, wie sähen die aus? Zwei Leben? Keine Ahnung, dieses eine ist schon cool genug. Als Selbstständiger ist es ja auch fast jeden Tag ein anderes, also wäre es wahrscheinlich so wie jetzt.

Barfuss oder Lackschuh? Barfuss, denn Lackschuhe kriegen bei mir immer am ersten Tag häßliche Kratzer, da habe ich ein Talent für. Daraufhin ärgere ich mich dann für Monate, dann doch lieber Kratzer an den Füßen.

Die unerwartete Wendung

Statt des Liebster-Awards würde ich lieber ein Stöckchen weiterwerfen, und zwar das alte My Life According To, welches mir seinerzeit Dennis zugeworfen hatte.

Dabei geht es darum, sich einen (musikalischen) Künstler oder Band auszusuchen, und die folgenden “Fragen” mit jeweils einem Songtitel zu beantworten:

  • pick your artist:
  • describe yourself:
  • how do you feel:
  • describe where you currently live:
  • if you could go anywhere, where would you go:
  • describe the opposite sex:
  • your favorite form of transportation:
  • your best friend is:
  • what’s the weather like:
  • favorite time of day:
  • if your life were a tv show, what would it be called:
  • what is life to you:
  • your fear:
  • what is the best advice you have to give:
  • thought for the day:
  • how i would like to die:
  • my soul’s present condition:
  • my motto:

Die Nominierten

Offen gesagt, ich lese derzeit kaum Blogs. Twitter und Facebook stellen meinen aktuellen Feed, somit nomiere ich die Folgenden:

  1. Dennis, denn immerhin hat er mich damals angeworfen.
  2. Yogascha, auf deren Antworten ich sehr gespannt bin.
  3. Andreas, der zwar aktuell nicht bloggt, aber einen Youtube-Kanal hat!
  4. Dan, meinen Lektor, der wöchentlich unglaublich coole Musikzusammenstellungen macht.
  5. Und auch Astrid vom ommygodblog bekommt das Stöckchen zwischen die Beine geworfen. Immerhin hat sie meinen dreimonatigen Dornröschenschlaf hier im Blog unterbrochen :)

5. Januar 2015
von Stephan
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Detox für 2015

Im letzten Jahr erreichte mich eine bislang immer noch nicht beantwortete E-Mail von Anne. Fast einen Monat lang habe ich sich reifen lassen (die E-Mail, nicht Anne), da ich so meine Probleme mit dem Wort Detox habe, welches im Grunde der Aufhänger der Mail war. Anne – die jetzt bei yogaeasy.de arbeitet (Herzlichen Glückwunsch!) – machte mich auf die am 10. Januar startende Detox-Challenge aufmerksam.

Ich persönlich glaube ja nicht daran, dass mein Körper voller Gift ist. Im Dezember machte in US-amerikanischen Blogs mal wieder die Runde, dass der aktuelle Detox-Trend keine medizinische Grundlage hat. Dennoch gibt es viele gute Gründe, das neue Jahr mit einer 14-Tage-Entgiftungs-Kur zu beginnen.

Warum ich nicht an Detox glaube

Wie gesagt, medizinisch entbehrt das Entgiften des Körpers einer handfesten Grundlage. Der menschliche Körper ist dank der Evolution darauf vorbereitet, mit zahlreichen Umweltgiften in Berührung zu kommen und diese auch auf seine Art zu verarbeiten. Dafür haben wir Lungen, Leber, Niere.

Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.
Paracelsus

Ich zweifle stark, dass man 40 Jahre lang Zigaretten rauchen und dann durch ein Detox mal eben seine Lunge sanieren kann. Ebensowenig glaube ich, dass wir im Laufe unseres Lebens zu einem Schwermetalllager werden, dass Quecksilber und Chrome mal eben in wenigen Wochen ausleitet. Schwermetalle reichern sich im Fettgewebe an. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie lange es dauert, bis ich eine bestimmte Menge Fettgewebe verloren habe, daher bin ich äußerst skeptisch, wenn durch Zauberhand in ein paar Tagen Einlagerungen daraus entfernt werden können.

Grundsätzlich glaube ich an eine gesündere Form der Ernährung, doch zeitlebens werden wir immer mit Giften in Berührung kommen, somit sind kurze Entgiftungsphasen höchstens ein Tropfen auf den heißen Stein. Und – wie erwähnt – “medizinisch betrachtet Unsinn ist:“http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/warum-entschlacken-unsinn-ist-mythos-entgiften-1.1244755.

Warum ich glaube, dass eine Detox-Kur trotzdem sinnvoll ist

Abgesehen von der rein medizinischen Betrachtungsweise gibt es aber auch noch eine Psyche, die vermutlich ebenso mächtig wie die Physis ist. Es geht hier ja auch gar nicht darum, etwas Yoga zu machen und dadurch eine langjährige Nickel-Vergiftung loszuwerden.

Zum Start des neuen Jahrs versuchen viele von uns, sich von alten, lästigen Gewohnheiten zu trennen und neue, bessere Gewohnheiten aufzubauen. Was würde sich besser eignen, als mal eine zeitlang mit diesen neuen Gewohnheiten zu leben? 14 Tage lang täglich mit sich selbst besser umzugehen liefert bestimmt den ein oder anderen Ansatzpunkt, was in den Alltag integriert werden kann.

Wenn man nun mit der richtigen Erwartungshaltung in eine Detox-Challenge startet, dann kann man eigentlich nur profitieren. Detox muss eben nicht immer Detox bedeuten, genauso wie Facebook-Freunde mitunter auch nur flüchtige Bekannte sein können. Ohne, dass die Gesellschaft gleich aus den Fugen gerät ;-)

14 Tage Detox-Challenge mit Yogaeasy.de

Yogaeasy Detox Challenge 2015

Ab dem 10. Januar 2015 kannst du auf yogaeasy.de eine Detox-Challenge mitmachen. 14 Tage lang gibt es jeden Tag eine E-Mail, Videos und ayurvedische Rezepte von Volker Mehl. Das Ganze kostet nichts, bringt Struktur und Motivation für das Neue Jahr und macht sicher auch eine ganze Menge Spaß. Anmelden kann man sich übrigens ab sofort!

3. Januar 2015
von Stephan
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Adios 2014 - Hier kommt 2015

365 Tage, 17 Blogbeiträge, 302803 geruderte Meter, 3626244 gelaufene Schritte, 16,5 Stunden BJJ und lediglich eine Handvoll Yoga-Einheiten liegen hinter mir, wenn ich auf das neue Jahr blicke.

Vor mir liegen 365 362 Tage voller Möglichkeiten, auf die ich mich schon immens freue. Meine Vorsätze sind im Grunde genommen relativ einfach. Eigentlich gibt es nur zwei1 Grundmuster für Neujahrsvorsätze:

  • Mach mehr …
  • Mach weniger …

Ganz egal, was man für die drei Punkte einsetzt, das Rezept ist immer dasselbe. Wenn man lang genug hinschaut, entdeckt man die Kernbotschaft aller Vorsätze: Mach etwas!

Das reicht mir als Mantra für das neue Jahr, entsprechend werde ich machen. Ob mehr Blogeinträge, weniger gebrochene Finger oder ganz viel Savasana – es passiert schon so einiges im noch jungen Jahr…

1 Streng genommen ist auch mit etwas aufzuhören bloss eine Spielart von Mach weniger.

11. November 2014
von Stephan
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Rolling on - Ab auf die Matte zum BJJ

Erinnert sich noch irgendwer daran, dass ich meine Nase in eine Fechtmaske gesteckt habe? Das war insgesamt ein eher kurzes Zwischenspiel.

Warum kein Fechten (mehr)?

Nachdem ich als Solo-Selbstständiger nicht das Glück habe, jeden Tag mit anderen Menschen im Büro zusammenzukommen, habe ich nicht nur nach einem Sport als physische Herausforderung gesucht, sondern auch als soziales Umfeld. Fechten hat zwar jede Menge Spaß gemacht, doch war relativ schnell klar, dass der Verein eher klein ist und nur sehr wenige Menschen überhaupt im Anfängerkurs waren. Eine einzige Trainingseinheit pro Woche ist bei mir ebenfalls riskant, da ich gerne mal variierende Termine habe, die dann gleich eine zweiwöchige Trainingspause bedeuten. Schweren Herzens trenne ich mich also vom Fechten.

Um nicht untätig zu sein, habe ich natürlich auch etwas anderes gesucht. Eine Sportart, die auch in fortgeschrittenem Alter noch gut zu praktizieren ist, aber auch fordert. Wo eine gewisse soziale Komponente vorhanden ist und der Spaß auch nicht zu kurz kommt. Und gerne auch das ein oder andere Kilogramm bleiben darf.

Bei meiner Suche bin ich auf BJJ gestoßen, welches alle meine Anforderungen erfüllt und irgendwie sogar etwas mit Yoga zu tun hat.

Was ist BJJ?

BJJ steht für Brasilianisches Jiu-Jitsu und ist eine Kampfsportart, bei der man sich nicht hauen darf. Es ist eine Mischung aus Judo und Ringen und findet überwiegend auf dem Boden statt. Manchmal wird es auch als menschliches Schach bezeichnet, da man viel Zeit damit verbringt, sich eine gute Position zu erarbeiten und dann erst einen Angriff zu starten.

Aufgrund der Tatsache, dass viel mit Physik (wie die Hebelgesetze) und Technik gearbeitet wird können auch körperlich kleinere und schwächere Spieler größere besiegen. Soweit eigentlich wie die Mehrzahl aller asiatischen Kampfsportarten. BJJ geht jedoch davon aus, dass die Vielzahl aller Auseinandersetzungen eher früher als später auf dem Boden landet. Gemäß sportlichen Regeln ist dann bei den meisten Sportarten Schluß – das brasilianische Jiu-Jitsu fängt hier aber erst an.

Besonders gefällt mir, dass auch Anfänger schon schnell komplett mitmachen können und nicht monatelang eine Fallschule durchmachen müssen. Gemeinsames Sparring wird als Rollen bezeichnet und sieht zunächst stark gewöhnungsbedürftig aus. Die Verletzungsgefahr ist aus meiner Sicht verhältnismäßig gering – es gibt keine harten Schläge oder gar Tritte. Es geht auch gar nicht darum, möglichst viel Schaden beim Gegner anzurichten, wie etwa beim Boxen. Im Gegenteil, manchmal kann man auch einfach nur abwarten. Anders als beim Ringen hat man nicht verloren, wenn man mit seinem Rücken auf dem Boden liegt, sondern wenn man aufgibt.

Was hat BJJ mit Yoga zu tun?

Vielerorts wird behauptet, dass BJJ und Yoga wie füreinander gemacht scheinen. Aus dem Yoga kenne ich nur zu gut, wie es sich anfühlt, in unbequemen Positionen auszuharren, nachzuspüren und mich einfach dem Moment zu ergeben. Das Ego loszulassen. Obwohl es bei mir häufig nicht klappt, scheint mir dies eine gute Vorbereitung auf Jiu-Jitsu gewesen zu sein.

Die offensichtlichen Gemeinsamkeiten von Yoga und Jiu-Jitsu sind neben der Matte (welche beim Yoga lediglich etwas kleinere Ausmaße hat) vor allem die Themen Flexibilität und Entspannung. Flexibilität, vor allem in der Hüfte, ist für fordernde Asanas genauso hilfreich wie beim Rollen mit dem Gegner. Ohne geht es zwar auch, aber dann klappen eben nur die leichteren Positionen. Womit wir beim Entspannen und Loslassen wären. Es hilft nichts, im Yoga oder im BJJ mit Kraft gegen den eigenen Körper (oder den des Gegners) zu kämpfen. Auch in schwierigen Asanas oder mit einem 120kg-Typen auf der Brust ruhig zu atmen hilft, einen klaren Kopf zu bewahren und die nächsten Schritte sorgfältig und vor allem effektiv zu gestalten.

Wenn der Gegner eine bessere Position hat und einen Hebel ansetzt, dann kann er trotz fehlender Schläge und Tritte ganz schön Schaden anrichten. Arme und Beine können brechen, das Handgelenk knicken oder im Würgegriff die Luft wegbleiben. Dann ist es am Unterlegenen, dies auch einzugestehen. Im BJJ “tappt” man, zwei kleine Klopfer auf den Körper des Gegners signalisieren, dass man aufgibt. Wieder so eine Ego-Sache, dass man sich eingesteht, dass man in der Situation einfach unterlegen ist. Tappt man zu spät, kann dies ganz schöne Schmerzen nach sich ziehen. Viel direkter, als im Yoga. Dort kann ich monatelang eine Asana falsch ausführen um dann bleibende Knieschmerzen zu behalten, im BJJ ist meine Rückmeldung häufig sehr schnell.

So geht es weiter

Nach den ersten Probetrainings habe ich mich dann mal entschlossen, jetzt öfter zum BJJ zu gehen. Dummerweise fühlt sich mein Körper nach jeder Trainingseinheit noch an, als wäre ein 40-Tonner über mich gerollt, aber so langsam beginne ich zu verstehen, wie der Hase läuft. Natürlich bin ich weit ab davon, die Techniken auch nur ansatzweise behalten zu können, aber der Weg hat auch beim Yoga irgendwo angefangen. Die Gruppe ist sehr gut zusammengesetzt und alle sind derart nett und offen zu mir gewesen, dass ich gar kein Büro mehr brauche, um ein soziales Grundrauschen zu etablieren. Entsprechend wird es hier sicherlich auch vermehrt um das Thema BJJ gehen.