Der Feierabendyogi

Ashtanga Yoga für den Feierabend

6. März 2014
von Stephan
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Ich mach mich frei - und kauf mal nix

Gestern begann für die Fastenzeit für geschätzt 30% der Weltbevölkerung. Ebenso wie mit Neujahrsvorsätzen empfinden die einen es als liebgewonnene Tradition, die anderen als nerviges Lemmingverhalten. Da ich mich eher zu der ersten Gruppe zähle, bin ich natürlich in den kommenden 40 Tagen wieder dabei.

Während es in der alt-katholischen Tradition noch um klare Vorschriften hinsichtlich des Ernährungsverhaltens ging, greifen besonders die Medien gerne diese Verzichtsorientierung auf und befeuern das Image der Abstinenz. Das kann bisweilen groteske Züge annehmen, wie der Moderator im Kinderradio, der gestern ankündigte, eine Woche auf fließend Wasser in der Fastenzeit zu verzichten. Man muss kein Papst-treuer Katholik sein, um den Unsinn der Verknüpfung von fließendem Wasser mit einer österlichen Fastenzeit zu sehen.

Für die Mehrheit der Menschen hat die Fastenzeit damit zu tun, sich selbst durch freiwilligen Verzicht frei(er) zu machen. Was die Minimalisten ganzjährig üben, ist durch die zeitliche Begrenzung für die breite Masse greifbar.

Mein Vorsatz für die nächsten 40 Tage ist, keine Einkäufe zu tätigen – mit Ausnahme von Lebensmitteln, versteht sich. Warum? Ich habe festgestellt, dass ich mir unglaublich viele Gedanken beim Kauf von Dingen mache. Ich gehöre damit wohl weniger zu den Impuls-Shoppern. Ich wälze im Internet Berichte über die Schuhe, checke Preise für die Yogamatte, suche lokale Geschäfte, die meine neue Lieblingstasche führen. Durch den bewussten Verzicht auf irgendwelche Käufe möchte ich mich zumindest bis Ostern davon befreien, mich mit (ziemlich sicher) überflüssigen Anschaffungen auseinandersetzen zu müssen. Aktuell habe ich alles was ich brauche. Der Kleiderschrank ist voll, jede Menge Elektronik steht hier rum und ich habe sogar inzwischen drei Yogamatten. Was sonst könnte ich also brauchen?

Entsprechend bleibt der Verzicht auf Konsum bis Ostern. Wenn ich es schaffe, dann gehören auch überflüssige Kalorien dazu. Aber das hat mit der Idee der Fastenzeit nur oberflächlich zu tun. Entscheidend ist, dass wir in unserem Innern uns orientieren und vorbereiten. Die Christen auf Ostern, die anderen vielleicht auf einen schönen Frühling mit ausgeglichenem Ich.

3. Februar 2014
von Stephan
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Schon wieder ein Monat um

Da habe ich doch glatt verpasst, im Januar meine angekündigte Energie ins Blog zu bringen. Jedesmal, wenn die Gretchen-Frage aufkam (schreibe ich was über Yoga oder rolle ich die Matte aus?) hat meine eigene Praxis gewonnen, so dass der Januar ganz fleissig auf der Yogamatte war. Nebenbei gab es ein paar leckere indische Gerichte, nicht zuletzt dank der netten Kommentare hier und auf Facebook.

Ich denke mir was nettes aus, um im Februar vielleicht sogar zwei Einträge zu schaffen :-)

1. Januar 2014
von Stephan
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Neues Jahr mit viel Elan

Das war aber eine lange Pause. Im letzten Jahr habe ich aufgrund diverser Ursachen das Thema Yoga im Allgemeinen und diese Seite im Speziellen etwas hintan gestellt. Mit den zahlreichen Neujahrsvorsätzen und einer etwas anderen beruflichen Situation im Rücken habe ich mindestens Motivation für vier, vielleicht sogar fünf Blogbeiträge in diesem Jahr. Nun freue ich mich erstmal riesig, wieder hier zu schreiben.

Da ich mich im letzten Jahr selbstständig gemacht habe, ist der Name der Seite nicht mehr ganz treffend. Einen Feierabend im klassischen Sinne gibt es nicht mehr. Das soll jedoch nicht daran hindern, an das altbewährte Konzept der Seite wieder anzuknüpfen. Ein paar alte Dinge werden wir gemeinsam wiedersehen (zum Beispiel die persönlichen Einblicke in meine – hoffentlich wieder regelmäßigere – Praxis), von einigen anderen möchte ich mich lieber trennen (die Links der Woche passen nicht mehr in meinem Arbeitsfluss, da ich weder einen Arbeitsweg habe, noch auf diesem die Yogaseiten der Welt jede Woche durchstöberen werde).

Der Auftakt beginnt – für mich – etwas klassisch: 30 Minuten Short Form mit David Swenson im Arbeitszimmer (da wäre zumindest der Bezug zum Feierabend doch noch irgendwie vorhanden). In den nächsten Tagen werde ich mich etwas intensiver mit einem wunderbaren Weihnachtsgeschenk von Silvio auseinandersetzen.

Neben Yoga gibt es natürlich noch jede Menge andere Vorsätze. Vielleicht hat ja jemand einen Tipp für mich, wo ich in diesem Jahr im Ruhrgebiet mal einen Kochkurs für die indische Küche finden kann? Über die anderen Vorsätze schreibe ich später mehr.

4. August 2013
von Stephan
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Wenn sich Prioritäten verschieben

In diesem Sommer sehen die Tage ganz anders aus, als in meinen früheren Sommern. Und meine früheren Herbste, Frühlinge und Winter. Der Grund ist ganz einfach – ich habe mich im Mai selbstständig gemacht und bin durch Zufall im Juni in ein Projekt gerutscht, welches meine ganze Zeit beansprucht. Ein Feierabend im klassischen Sinne, passt da nicht mehr ins Bild.

Raus aus der Komfortzone

Bislang konnte ich alle meine Arbeiten heimnah durchführen. Zumindest so, dass ich überwiegend im eigenen Bett schlafen konnte. Seit Juni wohne ich von Montag bis Freitag im Hotel. Etwas Platz für eine Yogamatte gibt es dort auch, aber sonst nur eine Mikrowelle, einen Wasserkocher und einen Kühlschrank. Bad und Dusche natürlich ebenso. Kostenloses Internet gibt es in der Luft auch. Theoretisch.

Im Hotel gibt es viele Menschen, die wie ich unter der Woche als Monteure, Berater, externe Dienstleister oder sonstwas ihre Heimat für 10qm gemietetes Bett plus Schrank tauschen. Wenn abends alle Bewohner allmählich in den Bienenstock zurückkehren, dann krabbeln sie in ihre Waben und werfen als erstes ihren Rechner an, mit dem sie dann das Internet leer saugen. Zumindest fühlt sich das für mich so an, denn wenn ich nach meinem Arbeitstag “heim” komme, dann tröpfeln die Bits und Bytes höchstens mal gemächlich zu mir ins Zimmer. Meist verlaufen sie sich auf dem Weg und ich lass das Internet dann lieber gleich ganz aus.

Minimalismus leben

Die meisten Tage der Woche lebe ich aus meiner Laptoptasche und einem kleinen Koffer mit einer handvoll weißen Hemden und zwei Anzügen. Darüberhinaus brauche ich nicht viel, um meine Arbeit zu erledigen. Für mein Freizeitvergnügen warten neben der Yogamatte (eigentlich dem Yogitoes Handtuch) ein Springseil und ein Buch (derzeit Die andere Seite von Alfred Kubin). Regelmäßig denke ich mir, dass ich mir doch ein digitales Spielzeug kaufen sollte, um mich für die Unerträglichkeit des nicht vorhandenen Feierabends im Kreise meiner Familie zu entschädigen.

Doch Hand aufs Herz, ich brauche nichts. Meine Tage sind voll genug, als dass ich noch ein Gadget, ein weiteres Buch oder anderes Ding kaufen sollte, welches ich womöglich nichtmal ganz zwei Tage die Woche überhaupt sehe, geschweigedenn benutzen könnte.

Meine Work-Life-Balance

Die Arbeit überschattet derzeit alles andere, doch ist sie nicht alles, was meine Tage ausfüllt. Ein regelmäßiges, routiniertes Abendprogramm (das mit dem Seilspringen klappt nun echt besser, sogar 20 Minuten sind kein Problem) sorgt für eine gewisse Erdung. Nur Yoga passt nicht so gut in den Tag, sind in meinem Zimmer in den letzten Wochen doch eher Bikram-Verhältnisse vorherrschend gewesen. Das liegt mir nicht so.

Meldungen aus dem Yoga-Universum

Ob es am mangelnden Internet oder den aktuellen Inhalten, vermag ich gar nicht so recht zu sagen; ich komme derzeit kaum dazu, mir Yoga-Blogs und -nachrichten durchzulesen. Vermutlich hat es angefangen, als beinahe jedes Yogablog in den höchsten Tönen über Yogaeasy geschrieben hat (ja, ich bekenne mich auch schuldig) und dahinter den eigentlich Inhalt erstmal zurückgestellt hat. Meldungen über Schuhe speziell für Yoga, oder dass es jetzt die 100 besten Studios Deutschlands in einer Liste gibt haben mich – ehrlich gesagt – nur noch gelangweilt. Das bringt mich persönlich nicht weiter und daher kann ich solchen Lesestoff auch guten Gewissens nicht weiterempfehlen.

Wie es weitergeht

Morgen geht es wieder in die Bahn und ab ins Hotel. Vielleicht schaffe ich in dieser Woche wieder etwas mehr Yoga und Meditation – in den letzten Wochen wurde es dann doch immer wieder ein bißchen mehr. Die Yogalinks der Woche werde ich dann eher noch eine Weile ausfallen lassen. Entweder bis ich ein verläßlicheres Internet kriege, oder das thematische Sommerloch mit spannenden Beiträgen gefüllt wird. Je nachdem, was für mich früher passiert. Bis dahin twittere ich vielleicht noch ein wenig. Ganz bestimmt werde ich jedoch verstärkt darauf achten, was mich persönlich interessiert und weiterbringt.

Für alle Kontaktfreudigen

Eine Menge Leute haben mir übrigens in den letzten Wochen Mails geschrieben. Es tut mir leid, ich habe mich überwiegend nicht gemeldet. Der Grund ist ganz einfach – kein Internet unter der Woche und am Wochenende hat die Familie Priorität 1+. Mit Sternchen. Wenn es wirklich wichtig war, bitte einfach nochmal schreiben, ansonsten komme ich sicherlich nicht mehr darauf zurück.

16. Juni 2013
von Stephan
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Yogalinks der Woche #21

Beruflich bin ich wieder auf Achse, somit gibt es – endlich – wieder einen echten Feierabend. Leider ist der zu kurz für Yoga, aber ausreichend lang für ein paar lesenswerte Links der Woche.

9. Juni 2013
von Stephan
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Yogalinks der Woche #20

In dieser Woche bestehen die Zutaten der Wochenlinks aus einem Haufen Geld, Zwiebeln, Kuchen, Babys und einer unendlichen Menge Geduld.

4. Juni 2013
von Stephan
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Woher stammt unser Yoga?

Wir kennen alle die Legende, Yoga wäre aus Indien zu uns gekommen. So sehr ich das glauben möchte, so wenig plausibel scheint mir dies im Angesicht der täglichen Yoganachrichten und auf den Markt drängenden Yogaprodukte.

Core Power Detox Yoga for Prenatal Body Shaping

Wenn Yoga tatsächlich aus Indien stammt – und noch dazu eine mehr als 1000-jährige Geschichte hat – dann müsste das Yogaumfeld stark von Sanskrit oder anderen indischen Sprache geprägt sein. Ist es auch irgendwie. Aber genauso, wie du in Savasana deinen Körper spürst, spüre mal deine Sprache, wenn du über deine Praxis sprichst. Neben den vereinzelten Adhos höre ich viel öfter etwas vom Downward Facing Dog, auch in deutschsprachigen Kontexten. Aber es geht noch deutlich weiter:

Es gibt Power Yoga, Detox Yoga, Restorative Flow, Air Yoga, Challenges für die Primary Series, Body Shaping, Prenatal Yoga und Old School Core Yoga neben Hot Yoga, Deep&Slow Sessions und God-knows-what-else.

Natürlich sind die Briten Schuld, denn als Kolonialmacht haben sie den Indern beigebracht, ordentlich Englisch zu sprechen. Inzwischen hatten die Inder 200 Jahre Zeit, ihre Yogabegriffe ins Englische zu übertragen. Es scheint nur natürlich, dass man die Dinge in der Sprache, in der man sie gelernt hat, benennt. Doch Sprache, und das wissen wir nicht nur aus der Psycholinguistik, formt maßgeblich unsere Wahrnehmung der Welt. Als Muttersprachler haben Begriffe eine ganz andere emotionale Ladung, als wenn ich diese Worte nebenbei kennenlerne. An Schimpfwörtern wird dies besonders schön deutlich, aber auch auf alle anderen Bereiche findet diese emotionale Verbundenheit mit Begriffen statt. Oder auch nicht.

Um Yoga lernen und verstehen zu können, so scheint es, muss man heutzutage erstmal Englisch sprechen.

Ameriyoga

Wenn nun alle wesentlichen Begriffe des Yoga auf Englisch daherkommen, dann kann es ja auch sein, dass unser Yoga nicht indisch, sondern amerikanisch geprägt ist. Die Unterschiede zwischen Hollywood und Bollywood sind allerdings enorm, so dass dieses Yoga mit dem anderen Yoga vermutlich auch starke Abweichungen aufweist.

Grundsätzlich ist es sicher nicht schlimm, wenn Yoga sich verbreitet, in neuen Kulturkreisen aufgenommen wird und an moderne Gesellschaften angepasst wird. Yoga lebt und sieht heute anders aus als noch vor 100 Jahren. Man denke nur an das Verhältnis von Yoga-praktizierenden Frauen zu Männern.

Aber ist es notwendig, dass wir immer mit einem Auge auf den großen Bruder im Westen schielen, um unsere Neuerscheinungen im DVD-Markt im Untertitel mit “All I need” zu vermarkten, sämtliche Klassen in der niedersächsischen Tiefebene als Basic, Advanced, und Masterclass zu kennzeichnen oder Stretching anstatt Dehnung zu verwenden? Ich sehe mich selbst sicher nicht als Sprachbewahrer und freue mich über eine sich entwickelnde Sprache, doch bin ich mir nicht sicher, ob hinter all den englischen Bezeichnungen wirklich auch ein Bewusstsein steckt, sich mit der Bedeutung der Sprache auseinanderzusetzen.

Wenn ich Menschen in Deutschland Yoga nahe bringen möchte, kann ich dann voraussetzen, dass wir quasi “über Bande” gespielt über den Umweg des Englischen leichter zu den Wurzeln in Indien gelangen können. Ich habe manchmal die Befürchtung, dass all die englischen Begriffe nur verbergen sollen, dass das vermittelte Yogawissen nur aus dritter oder vierter Hand über eine oder mehr Sprachbarrieren tradiert wurde. So sperrig das manchmal klingen mag, ich bevorzuge die eingedeutschten Begriffe wenn möglich, auch wenn ich sie nicht immer selbst verwende. Was seinerseits wieder daran liegen könnte, dass 90% meiner Vorbilder im Yoga englische Begriffe benutzen und sich so allmählich ein Fachjargon etabliert, der es Uneingeweihten schwieriger macht, einen Einstieg zu finden.

Woher kommt dein Yoga?

Ganz egal, ob man englische oder deutsche Begriffe nutzt, jeder von uns sollte sich darüber im Klaren sein, woher sein Yoga stammt. Meins kommt maßgeblich von einer Handvoll US-DVDs und zwei deutschen Vinyasa-Lehrern. Sicher fallen hier auch Sanskrit-Begriffe, aber es ist doch deutlich westlich-amerikanisch geprägt. So richtig wohl ist mir dabei nicht, allerdings fehlen mir zur Zeit auch die Alternativen. Und da ich eher in Richtung Fitness als Spiritualität unterwegs bin, stört es mich derzeit auch nicht.

Wie sieht es mit dir aus – Ist dein Yoga indisch, amerikanisch oder gar deutsch ?