Beruflich bin ich wieder auf Achse, somit gibt es – endlich – wieder einen echten Feierabend. Leider ist der zu kurz für Yoga, aber ausreichend lang für ein paar lesenswerte Links der Woche.
Vielleicht ist deswegen der Zeitschriftenmarkt im Juni voll mit Beiträgen zum Thema Yoga. Da ich den Überblick verloren habe, überlasse ich die Zusammenfassung Ina.
Bis zum 15.6. kannst du dich – falls du zwischen 18 und 35 Jahren alt bist – noch für ein Stipendium von EF und der UN Alliance of Civilization bewerben. Um den Dialog zwischen den Kulturen anzuregen kannst du kostenfrei im August nach New York und die Welt zu einem besseren Ort machen.
Wir kennen alle die Legende, Yoga wäre aus Indien zu uns gekommen. So sehr ich das glauben möchte, so wenig plausibel scheint mir dies im Angesicht der täglichen Yoganachrichten und auf den Markt drängenden Yogaprodukte.
Core Power Detox Yoga for Prenatal Body Shaping
Wenn Yoga tatsächlich aus Indien stammt – und noch dazu eine mehr als 1000-jährige Geschichte hat – dann müsste das Yogaumfeld stark von Sanskrit oder anderen indischen Sprache geprägt sein. Ist es auch irgendwie. Aber genauso, wie du in Savasana deinen Körper spürst, spüre mal deine Sprache, wenn du über deine Praxis sprichst. Neben den vereinzelten Adhos höre ich viel öfter etwas vom Downward Facing Dog, auch in deutschsprachigen Kontexten. Aber es geht noch deutlich weiter:
Es gibt Power Yoga, Detox Yoga, Restorative Flow, Air Yoga, Challenges für die Primary Series, Body Shaping, Prenatal Yoga und Old School Core Yoga neben Hot Yoga, Deep&Slow Sessions und God-knows-what-else.
Natürlich sind die Briten Schuld, denn als Kolonialmacht haben sie den Indern beigebracht, ordentlich Englisch zu sprechen. Inzwischen hatten die Inder 200 Jahre Zeit, ihre Yogabegriffe ins Englische zu übertragen. Es scheint nur natürlich, dass man die Dinge in der Sprache, in der man sie gelernt hat, benennt. Doch Sprache, und das wissen wir nicht nur aus der Psycholinguistik, formt maßgeblich unsere Wahrnehmung der Welt. Als Muttersprachler haben Begriffe eine ganz andere emotionale Ladung, als wenn ich diese Worte nebenbei kennenlerne. An Schimpfwörtern wird dies besonders schön deutlich, aber auch auf alle anderen Bereiche findet diese emotionale Verbundenheit mit Begriffen statt. Oder auch nicht.
Um Yoga lernen und verstehen zu können, so scheint es, muss man heutzutage erstmal Englisch sprechen.
Ameriyoga
Wenn nun alle wesentlichen Begriffe des Yoga auf Englisch daherkommen, dann kann es ja auch sein, dass unser Yoga nicht indisch, sondern amerikanisch geprägt ist. Die Unterschiede zwischen Hollywood und Bollywood sind allerdings enorm, so dass dieses Yoga mit dem anderen Yoga vermutlich auch starke Abweichungen aufweist.
Grundsätzlich ist es sicher nicht schlimm, wenn Yoga sich verbreitet, in neuen Kulturkreisen aufgenommen wird und an moderne Gesellschaften angepasst wird. Yoga lebt und sieht heute anders aus als noch vor 100 Jahren. Man denke nur an das Verhältnis von Yoga-praktizierenden Frauen zu Männern.
Aber ist es notwendig, dass wir immer mit einem Auge auf den großen Bruder im Westen schielen, um unsere Neuerscheinungen im DVD-Markt im Untertitel mit “All I need” zu vermarkten, sämtliche Klassen in der niedersächsischen Tiefebene als Basic, Advanced, und Masterclass zu kennzeichnen oder Stretching anstatt Dehnung zu verwenden? Ich sehe mich selbst sicher nicht als Sprachbewahrer und freue mich über eine sich entwickelnde Sprache, doch bin ich mir nicht sicher, ob hinter all den englischen Bezeichnungen wirklich auch ein Bewusstsein steckt, sich mit der Bedeutung der Sprache auseinanderzusetzen.
Wenn ich Menschen in Deutschland Yoga nahe bringen möchte, kann ich dann voraussetzen, dass wir quasi “über Bande” gespielt über den Umweg des Englischen leichter zu den Wurzeln in Indien gelangen können. Ich habe manchmal die Befürchtung, dass all die englischen Begriffe nur verbergen sollen, dass das vermittelte Yogawissen nur aus dritter oder vierter Hand über eine oder mehr Sprachbarrieren tradiert wurde. So sperrig das manchmal klingen mag, ich bevorzuge die eingedeutschten Begriffe wenn möglich, auch wenn ich sie nicht immer selbst verwende. Was seinerseits wieder daran liegen könnte, dass 90% meiner Vorbilder im Yoga englische Begriffe benutzen und sich so allmählich ein Fachjargon etabliert, der es Uneingeweihten schwieriger macht, einen Einstieg zu finden.
Woher kommt dein Yoga?
Ganz egal, ob man englische oder deutsche Begriffe nutzt, jeder von uns sollte sich darüber im Klaren sein, woher sein Yoga stammt. Meins kommt maßgeblich von einer Handvoll US-DVDs und zwei deutschen Vinyasa-Lehrern. Sicher fallen hier auch Sanskrit-Begriffe, aber es ist doch deutlich westlich-amerikanisch geprägt. So richtig wohl ist mir dabei nicht, allerdings fehlen mir zur Zeit auch die Alternativen. Und da ich eher in Richtung Fitness als Spiritualität unterwegs bin, stört es mich derzeit auch nicht.
Willkommen zur ersten Sommerausgabe der Yogalinks der Woche. Hoffentlich habt ihr trockene Füße, doch falls nicht – hier habt ihr wenigstens ein paar interessante Lesetipps:
Aufmerksame Leser könnten sich beinahe Sorgen gemacht haben, so ruhig war es hier in den letzten Wochen. Doch das ist sicher kein schlechtes Zeichen, im Gegenteil!
Viel Zeit für Planung, wenig zum Bloggen
In den vergangegenen Monaten habe ich meinen Schritt in die Selbstständigkeit vorbereitet und auch an einem Businessplan-Wettbewerb teilgenommen. Im wesentlichen geht es darum, sich über alle Aspekte einer Unternehmensgründung im Klaren zu sein. Konkret heisst dies: Was will ich anbieten? Wer ist meine Zielgruppe? Wieso ist mein Angebot besser als das der Konkurrenz? Wie viel muss es kosten, damit ich überleben kann?
Nach Monaten des Denkens, unzähligen motivierenden und kreativen Gesprächen hat mein neues Baby im Mai 2013 dann ein Gesicht bekommen – zum Mai 2013 habe ich Tumego gegründet. Besonders gefreut habe ich mich dann, dass ich in besagtem Wettbewerb auf dem 4. Platz gelandet bin und sogar einen Sonderpreis IT erhalten habe.
Was machst du denn jetzt?
Kurz gesagt ist Tumego eine Software im Internet, die speziell Einzelkämpfern wie Yogalehrern Unterstützung bei der Bewältigung der üblichen Verwaltungsaufgaben bieten soll. Alles, was man mit Computern automatisieren kann, soll automatisch passieren, so dass meine Kunden mehr Zeit für ihre Kunden haben. Und in der Konsequenz auch wieder mehr Spaß als Yogalehrer, Fotograf oder Musiklehrer.
Noch gibt es einiges vorzubereiten, bevor wir im Juni in die Testphase einsteigen können, um die letzten Ecken und Kanten abzuschleifen. Wer Lust hat, ist herzlich eingeladen beim Test mitzumachen. Ich suche noch freiwillige Tester, die die Terminverwaltung, Rechnungen und Kundenverwaltung nutzen möchten. Natürlich während der gesamten Testphase kostenlos (und ein kleines Dankeschön gibt es obendrauf ;). Einfach kommentieren oder mir eine Mail schicken, und ihr könnt dabei sein und vielleicht eine gute Unterstützung für euer eigenes Geschäft finden und mir jede Menge gutes Karma schicken.
Und was ist mit Yoga?
Nicht nur aufgrund des Projekts Tumego bin ich wenig zum Yoga gekommen. In den nächsten Monaten steht wieder eine spannende Veränderung an, die ich aber gerne mit meiner Praxis vereinbaren möchte. Dann gibt es auch wieder einen Feierabend und somit Zeit für Yoga. Auch liegen zahlreiche Beiträge gerade “auf Halde”, weil ich in 24 Stunden am Tag irgendwie nicht so viel unterbringen kann, wie ich eigentlich möchte.
Die letzte Woche war umwerfend, doch das verdient einen eigenen Beitrag. Außerdem habe ich Malmö-Kater, also schnell jetzt: Hier der Querschnitt der letzten Woche aus dem Yoga-verse.
Ich glaube ja immer noch, dass Weizengras zu trinken seinen Ursprung in einem Missverständnis im angelsächsischen Raum beruht. Ob sie wirklich Wheatgrass trinken wollten?