Der Feierabendyogi

Ashtanga Yoga für den Feierabend

17. Februar 2013
von Stephan
2 Kommentare

Was ist Anusara und wo mache ich eine Immersion?

Vor einem Jahr gab es einen Skandal in der Yoga-Szene. Das war der Moment, in dem für mich Anusara-Yoga in meinem Wahrnehmungsfeld auftauchte. Dieser recht junge Stil (gegründet wurde Anusara Yoga erst 1997) hat es geschafft innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Menschen zu begeistern. Dank Markus habe ich dann einiges über diesen Stil erfahren dürfen. Wer sich mit Anusara beschäftigt, kommt an den Immersions nicht vorbei.

Was ist eine Immersion?

Zu Deutsch bedeutet Immersion so viel wie Eintauchen. Je mehr man sich mit Yoga auseinandersetzt, desto mehr weitet sich der eigene Horizont und die eigene Praxis ist nicht mehr nur Gymnastik auf der Matte, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch alle Lebensbereiche. Im Anusara treffen Philosophie und Spiritualität auf die Körperlichkeit der Asanas.

Anusara Yoga wird oft auch als “Happy-Yoga” bezeichnet. Bei vielen Rückbeugen und Schulter-Öffnungen liegt der Fokus im Bereich des Herzen. Aber man darf sich nicht täuschen lassen, Anusara ist auch ein kraftvoller Yogastil, der einen mitunter ganz schön ins Schwitzen bringen kann. Dank der “Universal Principles of Alignment” sollen Verletzungen minimiert und Haltungsschäden ausgeglichen werden. Wer des englischen mächtig ist, kann bei Youtube eine kostenlose Schnupperstunde mitmachen.

Immersions an der Ostsee

Ab und an eine Anusara-Stunde mitzumachen mag ein guter Anfang sein, sich mit dem Stil auseinanderzusetzen. Jedoch vor dem Hintergrund, dass Anusara gerade denjenigen, die sich intensiver mit ihrer eigenen Praxis auseinandersetzen wollen, kommt man eigentlich nicht um die Teilnahme an einer Immersion herum.

Silvio von der Yogatraumreise bietet noch für den April, Juni, August und Dezember Immersions mit Urlaubsgarantie Nicht nur Yogalehrer haben hier die Gelegenheit, neben Asana auch in Pranayama und Meditation einzutauchen und ihre eigene Praxis für den Alltag mit neuen Eindrücken zu erweitern.

Neugierig?

Wer mehr über Anusara erfahren möchte, kann die bei der Yoga aktuell, Diana, Yogaeasy und natürlich bei der Yogatraumreise.

16. Dezember 2012
von Stephan
4 Kommentare

Ohnmacht erlernen - Gelassenheit als Schlüsselkompetenz

Es gibt Ereignisse, die führen uns unsere eigentliche Ohnmacht mit erschreckender Brutalität vor Augen. Wenn eine Flutwelle ganze Landstriche verwüsten oder Kinder sinnlos sterben, dann kann eigentlich niemand ruhigen Blutes zusehen und es einfach so akzeptieren. Und doch, wir können manchmal einfach nichts am Lauf der Welt ändern.

Der Umwelt trotzend

Der Mensch hat die Natur scheinbar besiegt. Wir haben uns Häuser gebaut, damit das Wetter uns nichts mehr anhaben kann. Wir haben uns arbeitsteilig organisiert, dass eine schlechte Ernte oder Krankheit uns nicht gleich umbringen wird. Wir haben uns immer effektivere Waffen ausgedacht, damit wir uns im Falle eines Falles verteidigen können – wogegen auch immer. Wir gehen davon aus, dass uns im Grunde nichts etwas anhaben kann – als aufgeklärte Menschen vermögen wir uns auf alles vorzubereiten.

Es ist ganz egal, ob der drohende weltweite Klimawandel oder der Amoklauf eines psychisch Kranken – immer sind wir überzeugt, dass wir, sollte die Situation auf uns zukommen, schon das Heft in der Hand halten und wir die Ereignisse nach unserem Willen lenken werden können. Wir müssen uns nur ausreichend vorbereiten.

Doch Hand aufs Herz…

Weiterlesen...

12. April 2012
von Stephan
3 Kommentare

Die Ashtanga Primary Series - Yoga Chikitsa

In diesem Blog schreibe ich häufig über die Erste Serie, Primary Series oder auch Yoga Chikitsa. Für alle eingeweihten Ashtanga-Anhänger ist mit diesen Worten schon alles klar, doch sobald man den Kreis der Mysore-Jünger verlässt, dürfte der Begriff eher wenigen Menschen etwas sagen. Dieser Beitrag soll etwas Aufklärung bringen.

Weiterlesen...

18. September 2011
von Stephan
Keine Kommentare

Welche Farbe hat Yoga?

Seitdem ich bei Diana zum ersten Mal über den Begriff Green Yoga gestolpert bin, habe ich mich gefragt, ob es auch gelbes, blaues oder gar schwarzes Yoga gibt. Green Yoga legt einen Schwerpunkt auf die Verbindung von Yoga und Ökologie. Doch stellt sich mir die Frage, ob das farblose, nicht-grüne Yoga, entgegen ökologischen Ideen steht oder welche Farbe Yoga eigentlich hat.

Brahman und Atman

Sicherlich liegt das hauptsächliche Ziel eines Yogis in der Erlangung von Erleuchtung, der Einheit mit Brahman — der Weltseele — und Atman — dem universellen Selbst. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass ein Yogi im Grunde keine Erleuchtung erlangen kann, wenn er sich von Weltseele und universellem Selbst abwendet. Im Gegenteil, wenn es ihm egal wäre, dass die Umwelt zerstört wird, wieso würde er dann anstreben, ein Teil von ihr zu werden, der die Grenzen der kognitiven Wahrnehmung hinter sich lässt? Doch gehen wir in kleineren Schritten.

Patanjali war grün

Folgt man den Sutras des Patanjali, so beginnt noch vor Asana die Auseinandersetzung mit der Welt. In Gestalt der Yamas und Niyamas werden dem (angehenden) Yogi Verhaltensregeln gegenüber der Welt und sich selbst an die Hand gegeben.

Vereinfacht gesagt weisen uns die Yamas den Weg, wie wir mit der Welt umgehen sollen, die Niyamas definieren den Umgang mit uns selbst. Wenngleich viele Yoga-Praktizierende sich nur wenig mit den Sutren auseinandersetzen, so kann es aus meiner Sicht kein Yoga geben, welches den achtsamen Umgang mit der Welt gegenüber der Achtsamkeit in Bezug auf sich selbst vernachlässigt.

Die Green Yoga Association

Um Green Yoga ist eine ganze Bewegung entstanden, die Green Yoga Association. Hardy Fürch hat sogar ein Buch zum Thema geschrieben: Wie Green Yoga die Welt verändert. Erwartungsgemäß stärken die Yamas und Niyamas das argumentative Grundgerüst des Green Yoga:

  • Ahimsa/Gewaltlosigkeit: Vermeidung von direkter (körperlicher und psychischer) sowie struktureller Gewalt (z.B. gesetzliche Diskriminierungen). Mitfühlender Umgang mit Mensch, Tier und Natur. Konsum von Waren, bei deren Produktion keine Gewalt angewendet wurde (z.B. Fair Trade). Als Konsument hat man eine große Macht! Eine schon geringe Änderung des Kaufverhaltens hilft, die Wirtschaft positiv zu gestalten. Landschaftsschutz und artgerechte Tierhaltung sind auch Ausdruck von Ahimsa.
  • Satya/Wahrhaftigkeit: Sich selbst und den anderen nichts vormachen, möglichst authentisch sein, zu Stärken und Schwächen stehen, ehrlich sein. Wahrhaftigkeit ist der Ausgangspunkt zu persönlichem Wachstum. Sie wünschen sich offene und ehrliche Menschen? Fangen Sie am besten bei sich selbst an – das wirkt auch auf die anderen!
  • Asteya/Nicht-Stehlen: Die Ausbeutung anderer Völker und Wirtschaftsräume beenden. Unfaire Handelsabkommen und unwürdige Arbeitsbedingungen sind auch Diebstahl! Konsumiert man faire Waren, nimmt man Einfluss – auch auf weit entfernte Länder. Machen Sie sich den Zusammenhang zwischen Konsum und menschlichen Schicksalen deutlich – leben Sie Mitgefühl im Alltag!
  • Aparigraha/Nicht-Horten: Heute wird vor allem Geld gehortet. Dieses Horten wird mit Zinsen belohnt. Doch die Zinswirtschaft fördert unreflektiertes Wirtschaftswachstum und Gier. Legen Sie zumindest einen Teil Ihres Geldes in ethische Geldanlagen an oder spenden Sie Zinsen für sozial-ökologische Zwecke. Kaufen Sie nur wirklich nötige Dinge oder engagieren Sie sich in Tauschringen! Was sind meine wirklichen Bedürfnisse? “Weniger ist mehr” – ein ernsthaft Yoga-Praktizierender braucht nicht mehr so viele Statussymbole – weil er das meiste in sich selbst finden wird: Reich ist nicht, wer viel besitzt, sondern wer wenig bedarf. Wer weniger bedarf, konsumiert auch weniger und schont die Ressourcen.
    Quelle

Yoga hat viele Farben – und Grün liegt uns am Herzen

Mein Yoga ist bunt. Natürlich hat Yoga viele Farben: Es ist lila, rot, orange, blau, gelb und auch grün (und mehr). Dass Grün uns am Herzen liegen sollte, liegt aber nicht zuletzt an Anahata, dem Herz-Chakra. Was wir konsumieren können wir direkt mit den fünf Yamas überprüfen und so dafür sorgen, als Yogis nicht nur unserer Innenwelt sondern auch unserer Umwelt mehr Achtsamkeit entgegenzubringen. Somit nützen wir unserer Umwelt, unseren Nachfahren und dem universellen Selbst.

Yamas - Mezé in Bochum

7. September 2011
von Stephan
Keine Kommentare

Die zehn Gebote des Yoga

Wer sich dazu entschließt, in Yoga einzutauchen, sollte idealerweise bei den Yamas beginnen. Allerdings beginnen die wenigsten von uns mit Yoga aus spirituellen Gründen, viel häufiger ist der Wunsch nach Bewegung, Beweglichkeit oder Ausgeglichenheit.

Der achtgliedrige Pfad

Im Ashtanga Yoga existieren acht Glieder, die — stark vereinfacht gesagt — mehr oder weniger nacheinander durchlaufen werden (zugegeben, so ganz stimmt das nicht, doch ohne die vorgehenden Glieder durchlaufen zu haben wird es nahezu unmöglich sein, Samadhi zu erreichen):

  1. Yama — Ethische Grundregeln, die für das Zusammenleben aller Lebewesen gelten
  2. Niyama — Disziplin und Verantwortung jedes Einzelnen
  3. Asana — Körperstellungen
  4. Pranayama — Atembeherrschung
  5. Pratyahara — Rückzug der Sinne
  6. Dharana — Fokussierung/Konzentration
  7. Dhyana — Meditation
  8. Samadhi — “Seeligkeit”

Ziel ist es, Samadhi zu erreichen. Doch ist es nicht so, dass man einmal eine Stufe “erobert” hat, um dann weitergehen zu können. Täglich müssen Yogis aufs Neue prüfen, ob sie nicht nur ihre Asana üben, sondern inwiefern sie gemäß den Yamas und Niyamas ihr Leben gestalten.

Die zehn Gebote des Yoga

Yamas und Niyamas lassen sich mit den zehn Geboten des Christentums vergleichen. Ebenso wie die zehn Gebote sind es zehn Richtlinien, an denen wir unser Leben ausrichten sollen.

Ursprünglich stammen diese Gebote zwar aus dem Hinduismus, doch bei näherer Betrachtung fallen zahlreiche Gemeinsamkeiten mit anderen Weltreligionen wie dem Christentum, dem Islam und dem Judentum auf. Aufgrund der Tatsache, dass Yogis davon ausgehen, dass es ein universelles Prinzip gibt, welches alle Lebewesen verbindet, so verwundert es nicht so sehr, dass die großen Religionen allesamt zu ähnlichen Erkenntnissen gelangen.

Die Yamas – soziales Miteinander

Für den Umgang miteinander gelten die fünf Yamas:

  1. Ahimsa — Gewaltlosigkeit
    Wer Ahimsa praktiziert ist nicht nur gewaltlos, sondern auch rücksichtsvoll und freundlich. Andere Menschen und Tiere werden zu keiner Zeit und aus keinem Grund in Worten, Gedanken oder Taten verletzt.
  2. Satya — Wahrhaftigkeit
    Stets die Wahrheit zu sagen bedeutet nicht, schonungslos sämtliche Dinge beim Namen zu nennen, sondern vor allem die angenehme Wahrheit. Sollte die Wahrheit für jemanden nicht angenehm sein, so sollte sie ihm gegenüber nicht geäußert werden um Ahimsa einzuhalten.
  3. Asteya — Nicht-Stehlen
    Hierbei geht es nicht nur darum, die Besitztümer anderer nicht an sich zu reißen, sondern auch sich nicht mit fremden Federn zu schmücken oder neidvoll und eifersüchtig zu sein.
  4. Bahmacharya — Bewusste Zurückhaltung
    Das Streben hin zum Wesentlichen wird häufig auch mit sexueller Enthaltsamkeit gleichgesetzt, doch damit ist es nicht richtig erfasst. Es geht auch darum, seinen Geist nicht durch die Gesellschaft vulgärer Menschen oder ebensolcher Bücher, Filme oder Veranstaltungen zu verunreinen.
  5. Aparigraha — Genügsamkeit
    Völlerei und Maßlosigkeit sind das Gegenteil von Aparigraha, der Nicht-Besitzergreifung oder Genügsamkeit. Notwendiges von nutzlosem trennen zu können ist eine wichtige Voraussetzung für Aparigraha. Dabei geht es auch darum, reines (sattwiges) Essen in dem Maße zu sich zu nehmen, wie es der Körper braucht, nicht aber darüberhinaus.

Die Niyamas – innere Einschränkung

Während die Yamas vorrangig das soziale Zusammenleben und den Umgang miteinander regeln, richten sich die Niyamas vornehmlich nach innen.

  1. Shauca — Reinheit
    Innere und äußere Hygiene sind hierbei gemeint, so dass man seinen Körper ebenso pflegen soll, wie sein Inneres. Auch hier ist die Freundschaft mit der Welt gemeint, denn in jedem Menschen und jedem Ding findet sich ein Spiegelbild Gottes.
  2. Santosha — Zufriedenheit
    Nicht zu verwechseln mit Aparigraha bezieht sich Santosha darauf, mit sich selbst zufrieden zu sein, seine Entscheidungen nicht zu bereuen und insgesamt eine positive Lebenseinstellung zu haben.
  3. Tapas — Disziplin und Achtsamkeit
    Unreinheiten werden durch Disziplin bereinigt, doch nur in Verbindung mit Achtsamkeit sind sie wirklich förderlich. Die meisten Yogis kennen Tapas aus der regelmäßigen Asana-Praxis, deren Ziel ebenso die Beseitigung von (körperlichen) Unreinheiten ist.
  4. Swadhyaya — Reflexion
    Die Auseinandersetzung mit sich selbst und alten (heiligen) Schriften sorgt man für Bezugspunkte und verhindert so Beliebigkeit im Leben.
  5. Isvarapranidhana — Gottvertrauen
    Die Fähigkeit, seine Ängste und Sorgen loszulassen und in dem Verständnis zu leben, dass Gott es gut mit uns meint und uns den richtigen Weg weist ist Isvarapranidhana.

Nach der Pflicht kommt die Kür

Erst, wenn Yamas und Niyamas praktiziert werden, kommen wir nachhaltig auf dem Weg zu Samadhi voran. Sicherlich gibt es zahlreiche Momente in denen wir gegen eins oder sicherlich auch mehrere der Gebote im Yoga verstoßen, doch auch dies ist Teil der Praxis.

Wer erwartet, für ein paar Wochen Yoga zu betreiben und dadurch sein Leben neu geordnet zu haben, der irrt sich. Yoga bedeutet nicht, regelmäßig auf der Matte akrobatische Übungen zu vollziehen, sondern zunächst, sich abseits der Matte an den inneren und äußeren Verhaltensregeln zu orientieren.

Wenn die Grundidee von Yamas und Niyamas verinnerlicht ist, dann ist eine Auseinandersetzung mit den folgenden Gliedern des Yoga sinnvoll. Auch wer sich körperlich nicht imstande sieht, seinen Körper in alle möglichen — und vor allem unmöglichen — Positionen zu bringen, kann bereits durch einen bewussten Lebenswandel zum Yogi (oder natürlich zur Yogini) werden.