Blogparade
Silvio hat die erste Yoga-Blogparade gestartet. Er stellt die Frage, ob Yoga spirituell sein muss.
Nachdem Yogalinus und auch Silvio selbst schon ihre persönliche Einschätzung geschrieben haben, probiere ich, meinen Standpunkt zu finden.
Yoga als urban-modernes Steckenpferd
Yogadawg berichtet über Art Yoga, wo Yogaklassen in großen und bekannten (amerikanischen) Kunstmuseen angeboten werden. Wie ich finde ein hübsches Zeichen dafür, dass die Umgebung der eigenen Asana-Praxis für viele Menschen eine beachtenswerte Rolle spielt.
Patthabi Jois hingegen betont in der Yoga Mala, wo (traditionellerweise) Yoga geübt werden sollte. Hier ist keine Rede davon, dass der Geist bzw. die eigenen Aufmerksamkeit von einer inspirierenden Umgebung profitieren.
Ab Pratyahara geht es zu weit für Yogakurse
Die meisten Yogakurse behandeln die Glieder Asana und – wenn es hoch kommt – Pranayama. Auch wenn ich über keine große Yogakurs-Erfahrung verfüge, habe ich nur äußerst selten erlebt, dass ein offener Kurs weiterging (mit Tratak). Von den acht Stufen des Yoga werden zwei in unseren Kursen behandelt. Viele Teilnehmer kennen vermutlich nicht einmal alle acht.
Ist Yoga mehr als Aerobic?
Fragt man die Teilnehmer eines Yogakurses im Fitnessstudio, so wird die Mehrheit sicherlich nicht das Thema Spiritualität mit ihrem Yoga verbinden. Als solches dürfte einem uneingeweihten Betrachter der genaue Unterschied zwischen Hatha-Yoga und Pilates auch nach vielen besuchten Kursen nicht deutlich werden. Höchstens durch die waisen Worte während der Entspannungsphase.
Da aber Spiritualität eine persönliche Angelegenheit ist, mag ich nicht werten, ob das gut oder schlecht ist. Asana ohne Yoga-Philosophie scheint für Dogmatiker sicher unmöglich. Vielleicht so wie ein fundamentaler Gläubiger einen Katholiken, der zwar nur zu Weihnachten in die Kirche geht, aber selbstverständlich eine weiße Hochzeit und die Erstkommunion für die Kinder mitmacht, als Heuchler betrachtet.
Ohne geht es für mich nicht (mehr)
Für mich kann es kein Yoga (mehr) ohne Spiritualität geben. Auch wenn ich aus gesundheitlichen Gründen mit dem Yoga angefangen habe (damals war keine Rede von Psychohygiene), so bin ich inzwischen überzeugt, dass Yoga vor allem als ganzheitliches System funktioniert. Deshalb bin ich auch kein Freund vermeintlicher Beliebigkeit und fühle mich sehr wohl in der Rigidität der Asana-Folge im Ashtanga.
Spiritualität ist ein Licht am Ende des Tunnels
Vielleicht ein passendes Bild ist die eigene Yogapraxis als langer, dunkler Tunnel. Durch Yamas und Niyamas (oder andere Anreize wie meine reizende Krankenkasse) findet man den Weg in diesen Tunnel und am Ende steht Samadhi.
Ist die Praxis ohne Spiritualität, so bleibt der Tunnel finster, doch mit jeder neuen Erkenntnis über die Hintergründe von Yoga hellt sich der Weg ein bißchen auf. Dadurch komme ich zwar nicht schneller zum Ziel, aber ich kann vermeiden, gegen Wände zu laufen und mir den Kopf zu stoßen.

5. August 2011, 15:49
Hallo Stephan, Danke für Deine erhellenden Zeilen. Ja, es ist interessant wie sich die Ansichten über die Yogapraxis mit der Zeit ändern. Anfangs spielt Spiritualität keine Rolle und dann rückt sie mitten in die Praxis. Das Bild mit den Tunnel gefällt mir sehr gut, da Yoga dann eine ganz neue Ausrichtung bekommt.
Danke für das Mitmachen bei meiner ersten Blogparade. Jetzt haben wir noch zwei Wochen Zeit und ich bin mit dem Verlauf sehr zufrieden. Irgendwann kannst Du auch mal eine ausrufen. LG und Namaste’ Silvio
6. August 2011, 00:42
Klasse, die Tunnelmetapher gefällt mir!