Seitdem ich bei Diana zum ersten Mal über den Begriff Green Yoga gestolpert bin, habe ich mich gefragt, ob es auch gelbes, blaues oder gar schwarzes Yoga gibt. Green Yoga legt einen Schwerpunkt auf die Verbindung von Yoga und Ökologie. Doch stellt sich mir die Frage, ob das farblose, nicht-grüne Yoga, entgegen ökologischen Ideen steht oder welche Farbe Yoga eigentlich hat.
Brahman und Atman
Sicherlich liegt das hauptsächliche Ziel eines Yogis in der Erlangung von Erleuchtung, der Einheit mit Brahman — der Weltseele — und Atman — dem universellen Selbst. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass ein Yogi im Grunde keine Erleuchtung erlangen kann, wenn er sich von Weltseele und universellem Selbst abwendet. Im Gegenteil, wenn es ihm egal wäre, dass die Umwelt zerstört wird, wieso würde er dann anstreben, ein Teil von ihr zu werden, der die Grenzen der kognitiven Wahrnehmung hinter sich lässt? Doch gehen wir in kleineren Schritten.
Patanjali war grün
Folgt man den Sutras des Patanjali, so beginnt noch vor Asana die Auseinandersetzung mit der Welt. In Gestalt der Yamas und Niyamas werden dem (angehenden) Yogi Verhaltensregeln gegenüber der Welt und sich selbst an die Hand gegeben.
Vereinfacht gesagt weisen uns die Yamas den Weg, wie wir mit der Welt umgehen sollen, die Niyamas definieren den Umgang mit uns selbst. Wenngleich viele Yoga-Praktizierende sich nur wenig mit den Sutren auseinandersetzen, so kann es aus meiner Sicht kein Yoga geben, welches den achtsamen Umgang mit der Welt gegenüber der Achtsamkeit in Bezug auf sich selbst vernachlässigt.
Die Green Yoga Association
Um Green Yoga ist eine ganze Bewegung entstanden, die Green Yoga Association. Hardy Fürch hat sogar ein Buch zum Thema geschrieben: Wie Green Yoga die Welt verändert. Erwartungsgemäß stärken die Yamas und Niyamas das argumentative Grundgerüst des Green Yoga:
- Ahimsa/Gewaltlosigkeit: Vermeidung von direkter (körperlicher und psychischer) sowie struktureller Gewalt (z.B. gesetzliche Diskriminierungen). Mitfühlender Umgang mit Mensch, Tier und Natur. Konsum von Waren, bei deren Produktion keine Gewalt angewendet wurde (z.B. Fair Trade). Als Konsument hat man eine große Macht! Eine schon geringe Änderung des Kaufverhaltens hilft, die Wirtschaft positiv zu gestalten. Landschaftsschutz und artgerechte Tierhaltung sind auch Ausdruck von Ahimsa.
- Satya/Wahrhaftigkeit: Sich selbst und den anderen nichts vormachen, möglichst authentisch sein, zu Stärken und Schwächen stehen, ehrlich sein. Wahrhaftigkeit ist der Ausgangspunkt zu persönlichem Wachstum. Sie wünschen sich offene und ehrliche Menschen? Fangen Sie am besten bei sich selbst an – das wirkt auch auf die anderen!
- Asteya/Nicht-Stehlen: Die Ausbeutung anderer Völker und Wirtschaftsräume beenden. Unfaire Handelsabkommen und unwürdige Arbeitsbedingungen sind auch Diebstahl! Konsumiert man faire Waren, nimmt man Einfluss – auch auf weit entfernte Länder. Machen Sie sich den Zusammenhang zwischen Konsum und menschlichen Schicksalen deutlich – leben Sie Mitgefühl im Alltag!
- Aparigraha/Nicht-Horten: Heute wird vor allem Geld gehortet. Dieses Horten wird mit Zinsen belohnt. Doch die Zinswirtschaft fördert unreflektiertes Wirtschaftswachstum und Gier. Legen Sie zumindest einen Teil Ihres Geldes in ethische Geldanlagen an oder spenden Sie Zinsen für sozial-ökologische Zwecke. Kaufen Sie nur wirklich nötige Dinge oder engagieren Sie sich in Tauschringen! Was sind meine wirklichen Bedürfnisse? “Weniger ist mehr” – ein ernsthaft Yoga-Praktizierender braucht nicht mehr so viele Statussymbole – weil er das meiste in sich selbst finden wird: Reich ist nicht, wer viel besitzt, sondern wer wenig bedarf. Wer weniger bedarf, konsumiert auch weniger und schont die Ressourcen.
Quelle
Yoga hat viele Farben – und Grün liegt uns am Herzen
Mein Yoga ist bunt. Natürlich hat Yoga viele Farben: Es ist lila, rot, orange, blau, gelb und auch grün (und mehr). Dass Grün uns am Herzen liegen sollte, liegt aber nicht zuletzt an Anahata, dem Herz-Chakra. Was wir konsumieren können wir direkt mit den fünf Yamas überprüfen und so dafür sorgen, als Yogis nicht nur unserer Innenwelt sondern auch unserer Umwelt mehr Achtsamkeit entgegenzubringen. Somit nützen wir unserer Umwelt, unseren Nachfahren und dem universellen Selbst.
