Da ich zur Zeit recht viel von zuhause arbeiten kann, nutze ich die Zeit, um mittags “was Ordentliches” zu essen. Für mich alleine kann ich dann ruhig etwas experimenteller werden und, weil ich richtig gerne indisch esse, das ein oder andere indische Gericht versuchen.
Eigens dafür habe ich aus der örtlichen Bücherei ein paar Kochbücher ausgeliehen und mir (hoffentlich) schmackhafte Rezepte herausgesucht. Dummerweise fehlen mir reihenweise Zutaten, so dass meine Möglichkeiten doch arg begrenzt sind. Zwei neue Gerichte konnte ich immerhin schon ausprobieren.
Palak Aloo Mattar
Ich liebe Spinat. Am liebsten esse ich Palak Paneer, habe mich aber noch nicht dran gewagt, es selbst zu kochen, hauptsächlich scheue ich mich vor dem Paneer. Aber Spinat mit Kartoffeln und Erbsen? Das verspricht ein Heimspiel zu werden.
In der Tat entpuppte sich das Rezept als einfach und schnell. Die schwierigste Zutat war dann wohl das Garam Masala, welches ich wirklich nicht selbst mörsern wollte.
Feuerrotes Kokos-Curry
Kichererbsen, Kokosnuss(-flocken) und ein paar Zwiebeln. Woher soll denn da die rote Farbe kommen? Vielleicht von den fünf getrockneten Chili-Schoten (aber die sind ganz schön klein?!). Vielleicht passiert ja etwas magisches, also probiere ich es mal aus.
Aus fünf Eßlöffeln Kokosflocken und ein wenig Wasser soll ich im Mixer eine Paste herstellen? Mein Vitamix würde sicher aufgrund der geringen Menge den Dienst versagen. Außerdem ist die Paste vermutlich zu trocken, so dass ich die Mixerei durch behelfsweises Gabel-drücken zu ersetzen versuche.
Leider hat das Resultat so gar nichts mit dem Wort Feuerrot gemeinsam. Trotzdem war es leckerer als ich erwartet hatte.
Die Krux mit Kochbüchern
Man sagt ja, dass manche Menschen entweder kochen können, andere wiederum backen. Während das Backen oftmals grammgenaue Abweichungen grausam bestraft, finden sich in Kochbüchern Wendungen wie “Nach Belieben würzen”. Ich kenne Kochanfänger, die hierdurch hoffnungslos überfordert sind.
Wenn ich mir eine indische Hausfrau vorstelle, die akribisch die Menge Mehl auf einer Waage abwiegt, exakt einen halben Teelöffel abmisst und dann drei verschiedene Küchenmaschinen einsetzt, dann kriege ich meine Zweifel, ob die Menschen früher nur geschmacklose Pampe zu sich genommen haben.
Vielleicht bin ich zu rebellisch, um Rezepte ordentlich nachzukochen. Ich bin fest davon überzeugt, dass beim Kochen wie in der Musik Improvisation erst den richtige Pepp bringt. Vielleicht kann ich ein Gericht nicht jede Woche exakt gleich nachkochen, aber das muss ich auch nicht.
Die Küche verstehen
Um beliebig beim Kochen improvisieren zu können, muss man aber unbedingt den Grundcharakter der Küche verstehen. Was sind die Grundpfeiler landestypischer Köche, welche Utensilien nutzen sie?
Wenn ich italienisch, indisch oder auch deutsch kochen möchte, dann haben Gerichte einen typischen Charakter, den sie durch Gewürze, Basiszutaten und Techniken erhalten. Nähere ich mich einer neuen kulinarischen Welt, dann muss ich erst verstehen, aus welchen Elementen sie besteht; Welche Handgriffe typisch sind und was eher ungewöhnlich. Sobald ich das verstanden habe, kann ich die Grenzen der Rezepte sprengen und den Flair eines Gerichts beibehalten. Oder – ganz verrückt – Stile mischen.
Kochen ist auch nur Yoga
Wer sich auf die Reise mit Yoga macht, der muss ebenso verstehen, welche Grundwerkzeuge es gibt. Welche philosophischen Grundannahmen. Sobald man dies verstanden hat, dann fällt alles irgendwie zusammen. Plötzlich ergeben Asanas und Pranayama einen tieferen Sinn und statt von einem Lehrer zu hören, was für eine Asana heute dran ist, kannst du einfach in deinen Körper lauschen und er sagt dir, was er jetzt braucht.
Genau wie Kochen kann man Yoga nicht an einem Tag, mit einem Rezept lernen. Die Reise dauert ein Leben lang und in verschiedenen Phasen dominieren andere Gewürzmischungen deine Praxis. Vielleicht fehlen dir ein paar Zutaten, womöglich ist Pincha Mayurasana noch nicht machbar, aber im Laufe der Zeit kommt es vielleicht. Oder nicht, wenn der Markt die notwendigen Zutaten nicht hat und dein Körper einfach nicht flexibel genug ist, dann nimm dir ein anderes Rezept. Oder lerne es abzuwandeln, dass es schließlich doch schmeckt und Spaß macht.
Das Schnitzel
Schon Eugen Roth kannte die Momente, in denen in der Küche nicht alles nach Plan läuft. Und wenn es mal nicht klappt, darf man es auch mit Humor nehmen (oder den Lieferdienst anrufen).
Ein Mensch, der sich ein Schnitzel briet,
Bemerkte, daß ihm das misriet.
Jedoch, da er es selbst gebraten,
Tut er, als wär es ihm geraten,
Und, um sich nicht zu strafen Lügen,
Ißt er’s mit herzlichem Vergnügen.


