Die erste Woche im neuen Jahr war deutlich anders als noch im alten Jahr. Allein die Tatsache, dass ich keine Sonnengrüße mehr zähle, hat meine Praxis sehr entspannt und mir wieder Raum für Asanas gegeben, die im Rahmen meines ehrgeizigen Ziels kaum noch Platz gefunden hatten.
Als Feierabendyogi kämpft man ja mit vielen kleinen und großen Widrigkeiten, die bisweilen die Praxis auf der Matte etwas schwierig werden lassen:
- Esse ich etwas, nachdem ich den ganzen Tag schon hungere, oder mache ich erst meine Asanas?
- Versuche ich früher aufzustehen, um statt des Feierabends den frühen Morgen zu probieren?
- Wie gestalte ich meine Praxis, dass sie mit meiner Familie in Einklang ist?
Eine der schönsten “Widrigkeiten” besteht darin, die eigenen Kinder einzubeziehen. Zugegeben, die Fokussierung auf mich selbst kann ich vergessen, sobald meine Tochter die Idee bekommt, ob man mir in Adho Mukha Svanasana wohl den Rücken runterrutschen kann.
In der letzten Woche habe ich verschiedene Szenarien probiert, wie ich mein Yoga möglichst harmonisch in den Alltag einpflege.
1. Der klassische Feierabend
Mein Feierabend beginnt frühestens gegen 19:30 Uhr, wenn ich zuhause eintreffe. Manchmal bin ich zwar auch früher im Büro fertig, doch ist das eher die Ausnahme. In der Regel schaffe ich es gerade noch, dem Nachwuchs eine “Gute Nacht” zu wünschen, rolle meine Matte aus, verbiege mich ein wenig und bereite mir dann mein Abendbrot, um im Anschluß den Abend mit meiner Frau ausklingen zu lassen.
Hierbei wird die Praxis dann wahlweise vom Hunger, einem nicht-einschlafen-wollenden Kind, einem schreienden Säugling oder einer Reihe zu erledigender Hausarbeiten torpediert.
2. Der frühe Morgen
Wenn ich mir vornehme, früh aufzustehen, um vor der Sonne ihre baldige Anwesenheit zu grüßen, bin ich in der Regel nicht alleine. Spätestens gegen halb Sieben höre ich die Rufe, dass ich nicht mehr der einzig wache Mensch in der Familie bin.
Neben der Starrheit sämtlicher Muskeln, Gelenke und Sehnen meines Körpers kommen Müdigkeit, Zeitknappheit und eine kalte Wohnung als Herausforderungen hinzu.
3. Tagsüber mit der ganzen Familie
Am Wochenende – streng genommen nur am Sonntag, denn Samstage sind ja Asana-frei – kommt es nach Möglichkeit dazu, dass ich nicht am Feierabend, sondern mitten am Tag zwei Matten ausrolle. Dann bleibt (theoretisch) genügend Zeit für lange Vinyasa-Folgen.
Allerdings ist der Rest der Familie nur mäßig erfreut darüber, dass ich das Wohnzimmer blockiere und wie Darth Vader vor mich hinschnaufe. Insofern meine Tochter mitmacht, verfliegt ihre Motivation auch mal früher oder später, dann verlangt sie nach jemandem der vorliest, spielt oder sonstwie Action in den Tag bringt.
Fazit
Auch wenn es keine ideale Möglichkeit gibt, seine Yoga-Praxis familientauglich zu machen, macht es einen Riesenspaß, mit den eigenen Kindern die Matte auszurollen und Asanas zu “spielen”. Zugegeben, die Praxis ist dadurch deutlich weniger tief, spirituell oder auch ernst, doch was soll daran so schlecht sein?
Was erschwert eure Asana-Praxis und wie geht ihr damit um? Habt ihr den Luxus einer “Insel der Ruhe”, in der ihr praktizieren könnt, oder findet euer Yoga auch im Wohnzimmer vor dem Bücherregal und dem Sofa statt?
