Nach den schönen letzten Tagen sah es heute verdächtig nach Regen aus. Da ich gerne mit dem Rad zum Yoga im Balletthaus fahre und besagtes Rad wiederum natürlich ein sportliches Gefährt ohne Schutzbleche ist, würde ich im Falle eines ordentlichen Schauers von allen Seiten kräftig nass. Eine nasse Hose motiviert jedoch bekanntlich nicht gerade, daher wollte ich dies gerne vermeiden.
Meine Regenhose hatte sich nach Jahren des Nichtgebrauchs wirklich gut versteckt, sodass ich nur mit meiner Trainingshose (und natürlich einem Hemd und Jacke) auf mein Rad gestiegen bin.

Beim Yoga angekommen erinnerte ich mich an die letzte Woche. In meiner ersten Stunde dort war mir aufgefallen, dass ich der einzige Yogi dort war, der mit kurzer Hose und Shirt auf der Matte geturnt ist. Während die anderen mit langer Trainingshose und teilweise sogar langen Ärmeln ihre Vinyasas durchführten, fühlte ich mich ein wenig wie der Möchtegern-Ashtangi oder ein Mallorca-Tourist mit Socken in den Sandalen.
Heute war immerhin ein zweiter Yogi mit kurzer Hose dabei, wenngleich sie auch nicht so knapp wie meine war. Dennoch bleibt eine gewisse Unsicherheit, ob meine Kleidung nicht etwas zu ambitioniert daher kommt. Während der Rest der Teilnehmer in weiten, locker fließenden Stoffen gekleidet ist, komme ich mir vor wie ein olympischer Bodenturner, der in Berufskleidung auf das Sommerfest eines Kindergarten geht.
Ich kämpfe hier jedoch mit drei Problemen
- Ich habe gar keine vorzeigbaren Kleidungsstücke fürs Feierabendyoga. Trotz des Namens betreibe ich mein Yoga ja vornehmlich zuhause und für mich, da ist mir (und Gottseidank dem Rest der Familie auch) relativ egal, was ich dabei anhabe – im Sommer sehe ich oft auch eher nach Bikram aus.
- Ich mag auch gar keine lange Kleidung beim Yoga, dabei fühle ich mich immer eingeengt und bilde mir ein, mich noch schlechter in Asanas bewegen zu können.
- Es gibt so gut wie keine ordentliche Yoga-Kleidung für Herren, fair und umweltverträglich hergestellt und einigermaßen ansehnlich. Für Gegenbeispiele wäre ich im Übrigen sehr dankbar!
Sicher, diese Probleme sind eigentlich keine wirklichen Probleme. Ich bin ja aus dem Fitnessstudio gewöhnt, durch jahrzehntealte Lieblingsshirts aufzufallen und mich nicht (übermäßig) dafür zu schämen. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass die Hemmschwelle einen Kurs zu besuchen für einige Heimyoginis und -yogis sich nochmals erhöht, weil man nicht durch seine Kleidung in ein Fettnäpfchen treten und aus der Reihe fallen will.
Trotz kurzen Hosenbeinen, Ärmeln und hautenger Shorts habe ich die heutige Yogastunde allerdings wieder gut überstanden, eine ganze Menge gelernt und Inspiration bekommen und – da das Wetter gehalten hat – bin trocken hin und wieder nach Hause gekommen.
