Der Feierabendyogi

Ashtanga Yoga für den Feierabend

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10. December 2010
von Stephan
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Langweile dich!

Wenn ich den ganzen Tag auf der Arbeit bin, während des Pendelns RSS-Feeds auf meinem iPod lese während dazu Musik spielt und abends die Zeit bis zum Schlafengehen mit der Familie verbringe, gibt es zwischendurch keinen Leerlauf. Keine fünf Minuten vergehen ungenutzt, zu wertvoll scheint die Zeit.

Doch genau das scheinbar sinnlose Verstreichenlassen von Zeit ist es, was mir momentan am meisten fehlt. Während meiner Studentenzeit im Wohnheim gab es zahlreiche Abende, an denen wir einfach nur gemeinsam und völlig zwang- und planlos Zeit verstreichen lassen haben. In diesem Kontext entstanden unglaublich viele – zumeist flüchtige, aber immer kreative – Gedanken.

Natürlich stelle ich mir die Frage: Darf ich das? Wenn nichts so kostbar ist wie meine Zeit, darf ich diese dann einfach vergeuden, indem ich einfach wertvolle Minuten, ja vielleicht sogar Stunden ohne klare Planung einfach vorbeiziehen lasse?

Da die Welt nicht schwarz und weiß, sondern ziemlich grau ist, fällt mir die Antwort hierauf nicht so leicht. Ich bin mir jedoch sicher, dass das beständige Verlangen nach Impulsen und der unnachgiebige Zwang produktiv sein zu wollen und seine Zeit sinnvoll einzuteilen auch unterbrochen sein müssen von Pausen. So sehr ich im Hier und Jetzt leben möchte, so sehr vermisse ich das unschuldige Nichtstun, was im Kontext des Web 2.0, always on und dem ständigen Informiertseinwollen-ohne-sich-tatsächlich-etwas-zu-merken irgendwo verloren gegangen ist.

Haben wir eigentlich verlernt, uns zu langweilen? Der Begriff ist zunächst untrennbar mit einer Wohlstandsgesellschaft verknüpft und mutet dekadent an. Müßigkeit ist aller Laster Anfang, so weiß der Volksmund. Aber zwischen dem bewussten Abschalten der Sinne, dem Loslassen und dem Abstand halten von stimulierenden Impulsen auf der einen und dem nach Innen kehren, dem Pratyahara auf der anderen Seite gibt es zahllose Abstufungen. Mein Begriff der Langeweile bezieht sich auf Situationen, in denen wir nicht produktiv sein wollen, die nicht verplant sind und wo wir nicht (geistig) gefordert sind.

Wann hast du dich das letzte Mal tatsächlich gelangweilt und nicht sofort zu etwas (deinem Handy, einem Buch, der TV-Fernbedienung) gegriffen, um deinen Geist zu beschäftigen?
Wer seinen Geist nicht ziehen lassen kann, zwängt ihn in ein Gefängnis, in dem er nicht wachsen kann.