Der Feierabendyogi

Ashtanga Yoga für den Feierabend

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15. August 2011
von Stephan
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Motorisches Gedächtnis

In einem früheren Leben habe ich einen Großteil meiner Zeit damit verbracht, Musik zu machen. Auf Schlagzeug, Pauken und allen möglichen Schlaginstrumenten habe ich getrommelt, doch mit dem Umzug in eine Mietswohnung und die Gründung einer Familie ist dieses zugegeben etwas lärmintensive Hobby ziemlich eingeschlafen.

Um so mehr habe ich mich gefreut, als ich meine alte Snare aufgestellt habe und sich meine Hände scheinbar mühelos an die Handsätze und Schlagkombinationen erinnert haben.

Etwa ähnlich ergeht es mir so langsam beim Yoga. Meine Muskeln scheinen die Asanas und Vinyasa-Folgen inzwischen zu kennen (zumindest bis zu Paschimottanasana). Besonders merke ich das, wenn ich eine DVD einlege, die kleine Abweichungen macht. Wenn die Arme im Sonnengruß nicht über die Seite sondern nach vorne abgesenkt werden muss ich regelmäßig gehörig aufpassen.

Ich bilde mir ein, dass ich durch den Autopiloten besser in der Lage bin, mich auf meinen Atem zu konzentrieren und mein Yoga wirklich als meditative Praxis zu betrachten. Wenn ich es jetzt noch schaffe, nicht über die Albernheiten der im Wohnzimmer herumtobenden Kinder zu lachen und dadurch meinen Atem zu verlieren, dann habe ich wohl auch Pratyahara gemeistert. Vielleicht hilft die 21-Tage-Meditationsherausforderung mir ja dabei.

10. December 2010
von Stephan
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Langweile dich!

Wenn ich den ganzen Tag auf der Arbeit bin, während des Pendelns RSS-Feeds auf meinem iPod lese während dazu Musik spielt und abends die Zeit bis zum Schlafengehen mit der Familie verbringe, gibt es zwischendurch keinen Leerlauf. Keine fünf Minuten vergehen ungenutzt, zu wertvoll scheint die Zeit.

Doch genau das scheinbar sinnlose Verstreichenlassen von Zeit ist es, was mir momentan am meisten fehlt. Während meiner Studentenzeit im Wohnheim gab es zahlreiche Abende, an denen wir einfach nur gemeinsam und völlig zwang- und planlos Zeit verstreichen lassen haben. In diesem Kontext entstanden unglaublich viele – zumeist flüchtige, aber immer kreative – Gedanken.

Natürlich stelle ich mir die Frage: Darf ich das? Wenn nichts so kostbar ist wie meine Zeit, darf ich diese dann einfach vergeuden, indem ich einfach wertvolle Minuten, ja vielleicht sogar Stunden ohne klare Planung einfach vorbeiziehen lasse?

Da die Welt nicht schwarz und weiß, sondern ziemlich grau ist, fällt mir die Antwort hierauf nicht so leicht. Ich bin mir jedoch sicher, dass das beständige Verlangen nach Impulsen und der unnachgiebige Zwang produktiv sein zu wollen und seine Zeit sinnvoll einzuteilen auch unterbrochen sein müssen von Pausen. So sehr ich im Hier und Jetzt leben möchte, so sehr vermisse ich das unschuldige Nichtstun, was im Kontext des Web 2.0, always on und dem ständigen Informiertseinwollen-ohne-sich-tatsächlich-etwas-zu-merken irgendwo verloren gegangen ist.

Haben wir eigentlich verlernt, uns zu langweilen? Der Begriff ist zunächst untrennbar mit einer Wohlstandsgesellschaft verknüpft und mutet dekadent an. Müßigkeit ist aller Laster Anfang, so weiß der Volksmund. Aber zwischen dem bewussten Abschalten der Sinne, dem Loslassen und dem Abstand halten von stimulierenden Impulsen auf der einen und dem nach Innen kehren, dem Pratyahara auf der anderen Seite gibt es zahllose Abstufungen. Mein Begriff der Langeweile bezieht sich auf Situationen, in denen wir nicht produktiv sein wollen, die nicht verplant sind und wo wir nicht (geistig) gefordert sind.

Wann hast du dich das letzte Mal tatsächlich gelangweilt und nicht sofort zu etwas (deinem Handy, einem Buch, der TV-Fernbedienung) gegriffen, um deinen Geist zu beschäftigen?
Wer seinen Geist nicht ziehen lassen kann, zwängt ihn in ein Gefängnis, in dem er nicht wachsen kann.