Der Feierabendyogi

Ashtanga Yoga für den Feierabend

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18. April 2010
von Stephan
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Rituale sind teuer

Irgendwann im Laufe meines Studiums habe ich gelesen oder auch im Radio gehört, dass Rituale immer teuer sein müssen. Durch Rituale zeigt sich, dass jemand zu einem bestimmten Kreis von Personen gehört. Das Ritual ist der Eingangsschlüssel und weist jemanden als Mitglied aus. Ist das Ritual billig, so bedeutet auch die Zugehörigkeit nicht viel.

Natürlich möchte man nicht, dass jeder beliebige Hans, Franz oder Xaver in den erlauchten Kreis einer eingeschworenen Gemeinschaft tritt, wenn er es nicht ernst meint. Bei einer Ehe, der Zugehörigkeit einer Glaubensgemeinschaft, als Mitglied einer Biker-Bande oder als Mitglied der oberen Zehntausend gibt es alle möglichen Formen der Rituale, die vom einzelnen eine bisweilen hohe Opferbereitschaft fordern, als Belohnung aber die Zugehörigkeit zu einer Gruppe Gleichgesinnter bietet.

Häufig bleibe ich bei meiner täglichen Yoga-Praxis bei meinen Sonnengrüßen hängen. Wenn ich jedoch – wie heute – es dann doch einmal schaffe, nach den Sonnengrüßen ein paar Asanas einzubauen, dann fühle ich mich immer so, als hätte ich das teure Ritual in Form der Suryas hinter mich gebracht, um dann belohnt zu werden mit der Ruhe und der Entspanntheit in den nachfolgenden Asanas.

Wenn ich meine zehn Sonnengrüße mache, sind dies zwar nur etwa 12 Minuten, aber sie bilden eine gewaltige mentale Barriere. Denn wenn ich vor dem Ausrollen der Matte überlege, was ich heute mache, erscheinen mir zehn Sonnengrüße bereits eine Menge. Da spielt es keine Rolle, ob sie weniger als eine Viertelstunde oder vier Stunden dauern. Doch so sehr ich die Suryas auch als Herausforderung – ja bisweilen sogar als unbeliebte Pflichtübung – sehe, so sehr mag ich sie inzwischen auch, denn sie führen mich auf den Boden der Wirklichkeit zurück und zeigen mir ganz klar meine eigene unzulängliche und noch ganz am Anfang stehende Yoga-Praxis vor Augen.

Ich denke, ich bin bereit, den Preis zu zahlen, um mich selbst Yogi nennen zu dürfen. 612 Suryas bis heute und ich bin noch weit weg vom Mittelpunkt meiner (diesjährigen) Reise.