Ich habe ja bereits berichtet, dass ich meinen ersten Murakami lese. Heute habe ich also Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt von Haruki Murakami ausgelesen.
Japanische Autoren sind anders
Murakami war der erste japanische Autor, den ich gelesen habe. Neben den vielen Engländern, Deutschen, Amerikanern, Russen und natürlich diversen anderen Meistern der Erzählkunst, die ich bislang lesen durfte nimmt Murakami eine Sonderstellung ein. Ob es daran liegt, dass Japaner ihre Geschichten auf andere Art und Weise erzählen, kann ich noch nicht sagen. Insgesamt war ich jedoch von der Erzählweise gefesselt und begeistert.
Willkommen im Wunderland
Wie der Titel des Romans andeutet, gibt es zwei Handlungsstränge an zwei Orten, einen im großen und lauten Tokyo (Hard-boiled Wonderland) und an einem dem Nirvana ähnelnden Endzeitdorf (dem Ende der Welt). Ein durchschnittlicher Mann mit der Fähigkeit, Daten ohne Computer und nur in seinem Gehirn zu verschlüsseln, steht im Mittelpunkt des Geschehens und wird von allerlei merkwürdigen Gestalten umringt.
Da sind zunächst ein dickes, junges Mädchen mit einer Vorliebe für Rosa. Eine Bibliothekarin, ein genialer aber etwas skrupelloser Professor, ein anonymes System gegen welches sich andere Gesichtslose auflehnen, ein Taxifahrer mit einer Vorliebe für junge Fahrgäste, Schwarzlinge, die unter der Erde leben und jede Menge Einhörner.
Yamas-Review
Da Hard-boiled Wonderland eine vielschichtige Erzählung ist, eignet sie sich vortrefflich für etwas, was ich seit langem vorhabe: dem Yamas-Review.
Die Yamas sind so etwas wie die zehn Gebote des Yoga, da liegt es doch nahe, die Dinge die wir täglich tun und die uns Freude bereiten hinsichtlich ihrer Passung hinsichtlich der Yamas zu überprüfen.
Ahimsa – Die Gewaltlosigkeit
Murakami schreibt wie für kleine Jungs im großen Manne. Er erzählt das Abenteuer eines Mannes, der parallel in zwei Welten unterwegs ist. Dabei stoßen ihm auch viele spannende und vor allem gewaltsame Dinge zu. Zwar ist Murakami kein Steven King und schockt seine Leser nicht – sein Metier sind eher die philosophisch leisen Zwischentöne, die allesamt entdeckt werden wollen – doch in diesem Buch fließt reichlich Blut, wenn auch zumeist nur als Bericht wie grausam die eine Partei mit der jeweils anderen umgeht.
Satya – Die Wahrhaftigkeit
Die Geschichte wird sehr geradlinig erzählt. Obwohl der Leser nicht an der Nase geführt wird, fügen sich die Puzzleteile der Geschichte erst nach und nach zusammen. Auch die namenlos Hauptperson ist trotz ihrer charakterlichen Zweifelhaftigkeiten weitaus wahrhaftiger als man zunächst annehmen würde.
Asteya – Nicht-Stehlen
Besonders zum Ende des Romans hin tritt Asteya mehr und mehr in den Vordergrund. Doch hier möchte ich nicht zu viel verraten.
Brahmacharya – Die Mäßigung
Weder die Hauptperson noch die Bibliothekarin in Tokyo sind sonderlich gemäßigt. Während er eine ungebremste Leidenschaft für ausgedehnte Einkaufstouren hat, verfügt sie über eine Magenerweiterung und ißt ales andere als gemäßigt.
Aparigraha – Auf das Überflüssige verzichten
Auch hier möchte ich nicht zu viel verraten. Während am Ende der Welt Aparigraha sehr ausgeprägt scheint, ist es in Hard-boiled Wonderland nicht der Fall. Für seine ausgedehnten Shopping-Touren hat sich der Erzähler beispielsweise extra ein Auto zugelegt.
Die Yamas-Bewertung
Sinn des Yamas-Reviews ist es nicht, eine Empfehlung auszusprechen. Vielmehr möchte ich hierbei praktisch mich den Yamas nähern und sie zu begreifen versuchen, indem ich sie in meinen Alltag stärker einbinde. Alle Mitleser sind herzlich eingeladen, ihre eigene Einschätzung in den Kommentaren zu hinterlassen (keine Angst, wenn ihr das Buch nicht kennt, es sollen noch viele andere Yamas-Reviews folgen).
Insgesamt gebe ich dem Roman noch 3 Yamas.
Was würdest du geben?
Yamas-Wertung für Haruki Murakamis Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt Ein spannender Roman, der gekonnt Unterhaltung mit hintergründig philosophischen Gedanken verbindet Ahimsa 
Satya 
Asteya 
Brahmacharya 
Aparigraha 
Gesamtwertung 
