Der Feierabendyogi

Ashtanga Yoga für den Feierabend

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12. Januar 2011
von Stephan
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Yoga für sich und andere

Yoga liegt im Trend, das zeigt sich in der Werbung, im Fernsehen und auch den Printmedien, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Aber Yoga trifft auch für viele den Nerv der Zeit, denn es passt sich scheinbar so einfach und problemlos dem Topos der Individualität und Unabhängigkeit an. In der Yoga-Praxis scheint es auf den ersten Blick oft so, als wäre das Ideal des Brahmachari genau wie der moderne Mensch 2011: frei von allen irdischen Zwängen und Verpflichtungen und ein unabhängiges Individuum.

So vogelfrei und unabhängig wir uns auch gerne selbst sehen, wir sind es doch nicht und können nur als soziales Wesen wachsen und reifen. Das erkennt auch die Philosophie des Yoga an, indem es Grihastha, den Haushälter mit seinen sozialen Verpflichtungen, als eine wesentliche Phase des Lebens betrachtet.

Die Yoga Sutras geben bei genauem Hinsehen einen klaren Hinweis, wie Yoga zu verstehen ist:

Das Wandelbare Wesen des Menschen wird harmonisiert durch die Kultivierung von Empathie, Hilfsbereitschaft, positive Bestätigung und Fehlerfreundlichkeit in Situationen von Glück, Leid, Erfolg oder Misserfolgglücklichen, leidvollen, erfolgreichen oder missglückten Situationen.
Samadhi Pada Satz 33 via: ashtangayoga.info

Im Kern bedeutet dies, dass man Yoga nicht nur für sich, sondern vor allem auch für andere praktiziert. In How Yoga Works von Geshe Michael Roach und Christie McNally ist es der Captain, der dies erst verstehen muss, damit er geheilt werden muss:

You see, you can’t do this, you can’t do yoga just to fix your own back. It’s too small. We are too small. If we do something just to help ourselves, it will never work. You can never really put effort into a thing if it’s only for yourself. It has to be for something bigger. […]
All you really have to do is think about helping other people with what you learn.
How Yoga works, Seite 20f

Was auf den ersten Blick wie ein hochindividuelles Heimtraining daherkommt ist also in Wirklichkeit ein mitten im Leben stehendes System, welches das menschliche Miteinander in den Mittelpunkt stellt und somit deutliche Parallelen zum Beispiel mit den Kernaussagen des Christentums aufweist. Statt die Anbetung einer Gottheit oder eines höheren Ideals in den Mittelpunkt zu stellen, steht der Mensch und sein Miteinander klar im Zentrum der Aufmerksamkeit.