Der Feierabendyogi

Ashtanga Yoga für den Feierabend

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20. February 2011
von Stephan
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Yoga - mehr als nur Turnen?

Viele Leute setzen im täglichen Gebrauch das Wortes “Yoga” mit “Asana”, also den Körperpositionen, gleich. Sicher sind Asanas ein wesentlicher Teil von Yoga, aber sie sind eben nicht alles im Yoga.

Wer in einem Fitnessstudio einen Yoga-Kurs belegt, merkt nicht unbedingt einen Unterschied zu einem typischen BOP oder Pilates-Kurs: Jemand sagt Übungen an und alle anderen machen diese mit – oder auch nach. Wenngleich dies der typische Einstieg in Yoga ist, so steckt die Essenz des Yoga doch nicht in körperlichen, sondern in geistigen Übungen.

Aber wieso scheinen im Yoga die physischen Übungen so ungleich viel wichtiger für den Einsteiger? Als Antwort mag ein Vergleich herhalten. Wie alle Vergleiche hinkt selbstverständlich auch diese, aber sie ist dennoch hilfreich.

Wer Kinder hat kennt die Situation, dass man bisweilen den Kleinen gerne etwas beibringen möchte. Etwas Vorlesen oder Erzählen ist allerdings nicht immer möglich, sondern nur dann, wenn das Kind bereit dazu ist. In der Regel ist es hierzu hilfreich, Kinder sich austoben zu lassen, damit sie ruhig genug werden, um neue Geschichten aufzunehmen.

Ähnlich ist es mit unserem Geist und dem Körper. Wenn wir etwas für unseren Geist tun möchten, müssen wir zunächst unseren Körper darauf vorbereiten. Dies passiert durch das Turnen auf der Matte. Natürlich passiert auch während der Zeit auf der Matte einiges in uns, doch geht es eben nicht im Vordergrund um die körperlichen Übungen – sie sind ein Mittel zum Zweck.

Ziel im (Ashtanga-)Yoga ist nicht ein toller, durchtrainierter Körper, sondern Samadhi, die Erleuchtung. Von den acht Stufen beziehen sich auch nur zwei (Asana und Pranayama) ausdrücklich auf den Körper, bzw. die Zusammenführung von Körper und Geist. Allerdings ist der Körper so allgegenwärtig und einflussreich, dass zunächst er unter Kontrolle gebracht werden muss, bevor der flatterhafte Geist bewusst gesteuert werden kann.

Auch wenn Yoga häufig wie ein Jahrtausende altes Fitness-Programm daherkommt, ist es doch viel mehr als das. Vor allem ist es ein Trainingsprogramm für den Geist und den Willen. Eine der simpelsten, wohl aber nicht gerade einfachen, Willensübungen im Yoga besteht darin, jeden Tag die Yogamatte auszurollen und Asanas zu praktizieren.

13. January 2011
von Stephan
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Yoga für sich und andere

Yoga liegt im Trend, das zeigt sich in der Werbung, im Fernsehen und auch den Printmedien, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Aber Yoga trifft auch für viele den Nerv der Zeit, denn es passt sich scheinbar so einfach und problemlos dem Topos der Individualität und Unabhängigkeit an. In der Yoga-Praxis scheint es auf den ersten Blick oft so, als wäre das Ideal des Brahmachari genau wie der moderne Mensch 2011: frei von allen irdischen Zwängen und Verpflichtungen und ein unabhängiges Individuum.

So vogelfrei und unabhängig wir uns auch gerne selbst sehen, wir sind es doch nicht und können nur als soziales Wesen wachsen und reifen. Das erkennt auch die Philosophie des Yoga an, indem es Grihastha, den Haushälter mit seinen sozialen Verpflichtungen, als eine wesentliche Phase des Lebens betrachtet.

Die Yoga Sutras geben bei genauem Hinsehen einen klaren Hinweis, wie Yoga zu verstehen ist:

Das Wandelbare Wesen des Menschen wird harmonisiert durch die Kultivierung von Empathie, Hilfsbereitschaft, positive Bestätigung und Fehlerfreundlichkeit in Situationen von Glück, Leid, Erfolg oder Misserfolgglücklichen, leidvollen, erfolgreichen oder missglückten Situationen.
Samadhi Pada Satz 33 via: ashtangayoga.info

Im Kern bedeutet dies, dass man Yoga nicht nur für sich, sondern vor allem auch für andere praktiziert. In How Yoga Works von Geshe Michael Roach und Christie McNally ist es der Captain, der dies erst verstehen muss, damit er geheilt werden muss:

You see, you can’t do this, you can’t do yoga just to fix your own back. It’s too small. We are too small. If we do something just to help ourselves, it will never work. You can never really put effort into a thing if it’s only for yourself. It has to be for something bigger. […]
All you really have to do is think about helping other people with what you learn.
How Yoga works, Seite 20f

Was auf den ersten Blick wie ein hochindividuelles Heimtraining daherkommt ist also in Wirklichkeit ein mitten im Leben stehendes System, welches das menschliche Miteinander in den Mittelpunkt stellt und somit deutliche Parallelen zum Beispiel mit den Kernaussagen des Christentums aufweist. Statt die Anbetung einer Gottheit oder eines höheren Ideals in den Mittelpunkt zu stellen, steht der Mensch und sein Miteinander klar im Zentrum der Aufmerksamkeit.