Der Feierabendyogi

Ashtanga Yoga für den Feierabend

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15. July 2011
von Stephan
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Klassenerster, Klassenletzter

Leider war heute die letzte Stunde meines Yogakurses. Grundsätzlich geht er zwar weiter, aber ich werde (zumindest in den nächsten Wochen) nicht mehr daran teilnehmen. Mit etwas Glück ergibt sich ja nach meiner Elternzeit wieder etwas. Allerdings habe ich in diesen acht Sitzungen eine Menge gelernt.

Um für mich zusammenzufassen, was ich konkret mitnehme in meine Heimpraxis, habe ich mir überlegt, was für mich das Beste an den Stunden war.

Das Beste an einer Yogastunde

Womöglich liegt es ja daran, dass ich mit der Tradition des Ashtanga sympathisiere, aber mit Abstand das Beste an einer Yogastunde mit einem Lehrer sind für mich die Adjustments, also die Korrekturen meiner Haltung in einer Asana.

Zugegeben, beim ersten Mal ist es noch etwas merkwürdig, ja nahezu peinlich, wenn ich gerade eben ansatzweise in einer Haltung verweilen kann und dann der Lehrer schnurgerade auf mich zukommt und meine Knochen durch sanftes Drehen korrigiert, als ob ich zuvor wie ein Bewegungslegastheniker dagestanden hätte. Und alle können zusehen.

Doch das relativiert sich recht bald, denn erstens sind die anderen Kursteilnehmer recht uninteressiert daran zu sehen, wie gut oder schlecht ich eine Asana beim ersten Anlauf schaffe und zweitens bewirken die Korrekturen eine wesentlich bessere Ausrichtung und verschaffen mir häufig Aha!-Effekte, in denen ich mir einbilde, endlich zu verstehen, wie sich das im rechten Fuß (oder der linken Hüfte) anfühlen muss, wenn es denn richtig ist.

Das Schlechteste an einer Yogastunde

Wo Licht ist, ist sicherlich auch Schatten, doch wirklich schlecht ist an einer Yogastunde wie ich sie kennengelernt habe nichts. Aber es gibt schon etwas, was auf mich ein wenig befremdlich wirkt. Wer schon länger mitliest weiß, dass ich für Religion und Spiritualität eine Menge übrig habe, aber dennoch eine gehörige Portion Skepsis mitbringe.

Am Ende einer (anstrengenden) Asana-Praxis ist es üblich, in Shavasana nicht nur zu entspannen, sondern auch philosophische Botschaften zu vermitteln. Das kommt mir nahezu vor, wie eine Predigt in der Kirche, doch mit dem Unterschied, dass es sich aufgrund der Verbindung mit Alphawellen eher wie Subliminalbotschaften anfühlt.

Sicherlich sind die Dinge, die ausgebildete Yogalehrer während der Schlußentspannung erzählen allesamt voller Achtsamkeit und “gut” (so man denn ethische Begriffe ins Spiel bringen möchte), aber für mich persönlich sorgen sie häufig dafür, dass ich mich eher verschließe. Ich prüfe inhaltlich die Aussagen und teste, ob ich dem zustimmen kann oder nicht.

Ganz anders ist es bei den reinen Entspannungstexten. Geht es darum, zu spüren, wie der gesamte Körper sich anfühlt, ähnlich wie bei einer Tranceinduktion, dann fällt mir das Loslassen deutlich leichter, als wenn ich darüber aufgeklärt werde, wie ich mit meinen Mitmenschen umgehen soll.

Wieso Yogastunden so wichtig sind

Auch wenn es sich jetzt womöglich schlimmer liest, als ich es empfinde, womöglich gab es zwei- oder dreimal solche Momente auf meiner Yogamatte im Kurs. Die unglaublich positiven Effekte von Haltungskorrekturen, dem Gefühl, nicht alleine beim Yoga zu sein, den Tipps zum Herantasten an schwierige Asana und allen anderen Qualitäten eines Lehrers können quasi als Turboboost für eine Heimpraxis dienen.

Wenn man nur einmal die Woche Yoga im Rahmen einer Stunde macht, dann kann ich dies nachvollziehen. Häufig ist zu wenig Zeit und Raum im Alltag. Aber wenn man einer regelmäßigen Heimpraxis nachgeht, dann halte ich den Realitätscheck zwischendurch für unverzichtbar.

Artikelbild von dejathoris